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Full text: Das dritte Reich / Schlaf, Johannes (Public Domain)

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Hier draußen, wo hundert und aberhundert 
von uͤber den VRand gestoßenen Existenzen ihr 
dunkles Leben fristeten, fuͤhlte er sich, wie er sich 
mit einiger Ironie und wohl nicht ganz ohne 
Spieltrieb sagte, in seinem Milieu. 
Denn es war neuerdings seine Grille, sich 
in seinem „gesellschaftlichen Wert“ nicht hoͤher ein—⸗ 
zuschaͤtzen, als solch einen Lazzaroni des Nordens. 
Sreilich, mein Gott! Dieser „gesellschaftliche 
Wert“! War hierin nicht wieder so was wie 
Atavismus? 
Denn dieser „gesellschaftliche Wert“, dieser 
„Wert fuͤr das Gemeinwohl“! Suͤr ein Gemein—⸗ 
wohl, an dem seine individuellsten Instinkte doch 
nachgerade einen so außerordentlich schwachen An⸗ 
teil hatten! 
Der Wert in sich selbst! — Und diesen Be— 
griff bis in irgend eine letzte und aͤußerste Konse⸗ 
quenz hinein zu steigern! — EKine letzte Konse— 
quenz! — Ein Zustand, der .. Nun ja: da war 
es wieder! 
Ein Eigenster und Sreiester sein!. 
Aber, ach Gott! wie sehr haͤtte er sich die 
Naivetaͤt dieser Zigeuner und Bravos, Zallunken 
und Vagabunden der Weltstadt gewuͤnscht! Diese 
goͤttlich cynische Vorurteilslosigkeit, und diese 
moral⸗ und reflexionslose Barbarei, die er als ihren 
Vorteil ansah! Dieses herzhafte, unbedenkliche Zu⸗ 
packen, wo sich die Gelegenheit bot, dem Leben
	        
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