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Full text: Das dritte Reich / Schlaf, Johannes (Public Domain)

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talitaͤt hatte. Und es mochten alle diese aͤußeren 
Sorgen, es mochte die ploͤtzliche Erinnerung an all 
die harten Kaͤmpfe sein, die sie miteinander zu be⸗ 
stehen hatten und mit denen sie sich die Wonnen 
ihrer vertrautesten und gluͤcklichsten Stunden er⸗ 
kauften, das Gedenken an so manche Haͤrte, die er 
ihr zuzufuͤgen genoͤtigt gewesen: ploͤtzlich lag er ihr 
zu Suͤßen. 
„Wie unsagbar ich dich liebe!“ 
Er hatte sein Gesicht in ihrem Schoß geborgen 
und weinte, daß es ihn nur so schuͤttelte. 
„Mein Gott! Was ist dir!!“ 
Mit einer jaͤhen Bewegung war Olga zusammen⸗ 
geschrocken und hatte mit diesen Worten das reinste 
und nackteste Gefuͤhl seiner Liebe, das er ihr jemals 
zu erkennen gegeben, mit unbewußter Rauhheit 
zerstoͤrt. 
uͤber und uͤber rot war er in die Hoͤhe ge⸗ 
sprungen und stand nun da, mit einem duͤsteren, 
grollenden Blick, daß er sich fast ausnahm wie ein 
trotziger, schmollender Rnabe. 
Noch ganz erschrocken uͤber seinen so ploͤtzlichen 
und unerwarteten Gefuͤhlsausbruch, starrte sie ihn 
an. mit einem langen und pruͤfenden Blick. 
Und nun — haͤtte sie ihn verstanden. — 
Aber unfaͤhig fuͤr den Augenblick, sein Gefuͤhl 
zu erwiedern, wurde sie von einer tiefen und ver⸗ 
zweifelten, von der peinlichsten Niedergeschlagenheit 
gelaͤhmt. Und diese Niedergeschlagenheit wurde zu
	        
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