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Siebentes Kapitel

Full text: Villa Schönow / Raabe, Wilhelm (Public Domain)

kalten Schweiß bedeckte Stirn. Er griff nach der Seite, 
als ob er dort, wie vor Jahren, seine Feldflasche suche — 
„Alle Kommissionen bei Muttern nehm ick natürlich über 
mir, Bruder!“ flüfterte er. „Uhr und Brieftasche sind schon 
in Sicherheit und werden richtig zu Hause abjeliefert!“ 
Er selber, Unteroffizier Schönow von den Branden— 
burgern, war in diesem Moment wahrlich weit weg aus der 
stillen Hundstwete, und doch — wahrhaftig — kein Anderer 
am Ort steckte zur Zeit so vollkommen in der Situalion 
wie er und war mit so zweifellosem Rechte zur letzten Hülfe 
herbeigeholt worden. Was noch zum Troste kam, das kam 
freilich nicht von den blutrothen, brand- und pulverqualm— 
überwölkten Schlachte, Sieg- und Erlösungsfeldern zwischen 
der Donau und der Loire. 
Die Tante Fiesold war's, und sie kam mit ihrem 
Kaffeetopf aus der Küche und fagte grämlich weinerlich: 
„Soll sie denn nicht hereinkommen? sie sitzt seit einer 
Viertelstunde bei mir am Herd und fürchtet sich so und 
ängstet sich das Herze ab —“ Und dabei brach sie selber 
ab, die Tante, und schrie: „O Jesus Christus! Ludolfꝰ! 
.Gerhard?! ... o Gott, o Gott, o Gott! ... Vater 
unser, in deine Hände ... Ist es denn möglich? ... und 
Keiner ruft mich herein! ... Kein Mensch denkt und kümmert 
fich um mich!“ 
„Ooch noch!“ brummte Schönow, sanft den Schüler 
von der Brust des endlich zur Ruhe gelangten Bruders 
emporziehend. „Ja, et war so Jottes Willen, Herr Doktor, 
und so wollen wir ihn um Jottes willen nicht länger uf— 
halten, lieber, lieber Funge. Sieh mal ler hört uns ottlob 
nun nich mehr!)) er hatte doch wohl nun lange jenug gelitten. 
Det Vaterland möchte ooch ich lieber nich vertheidigen, det 
mehr von Eenem prätendirte! Der Schlaf is Jedem zu 
önnen! Und sieh mal, ick habe wirklich dieses in meine
	        
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