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Achtzehntes Kapitel

Full text: Villa Schönow / Raabe, Wilhelm (Public Domain)

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Achtzehntes Kapitel. 
Meas sie auch an eigenen Zweifeln drüber hegen 
mochten, für uns steht die Sache fest: sie waren die Haupt— 
sache bei dieser Geschichte, die zwei alten Freunde und guten 
Kameraden von unter der Treppe her und aus dem alten 
Berlin. Aber eigentlich hegten sie auch gar keinen Zweifel 
darob; Jeder gab feine Meinung in dieser Hinsicht ganz 
offen kund, wenn er von — dem Anderen sprach. 
„Du bist mit einer Glückshaube geboren, Mädchen,.“ 
sagte Fräulein Julie in der Hundstwete, „daß Du dem 
närrischen Kerl und keinem Anderen Deine jungen ersten 
wirklichen Lebensthränen hast hinweinen dürfen. Hätte ihn 
die Vorsehung von seinem ersten Dache fallen lassen, so 
wüßte ich heute ganz genau, warum. Der einzige Trost ist 
mir, daß er nicht mal 'ne Ahnung davon hat, daß er zu 
gut für diese bissige Welt ist, sondern sich wirklich in ihr 
amüsirt und es ihm ausnahmsweise auch mal nicht an dem 
nöthigen Gelde zu seinem dummen Herzen fehlt. Ja, ja, 
Tante Fiesold!“ 
„Nur Eenes thut mir leid, mein Junge; nämlich daß 
ick ihr nich vervielfältijen kann, um an jedes deutsche Provinz⸗ 
nest een Muster von ihr zu liefern,“ sagte Schönow im 
Eisenbahnwagen. „Die hätte als Polype jeboren werden 
müssen, daß aus jedem Stücke von sie een neues jleiches 
Exemplar möglich wäre zum Besten von Unsereinem. Aber 
det fällt mit in det mir völlig unbejreifliche Musterschutz⸗ 
jesetz von unserem lieben Herrjott; darin hat sich die Vor— 
sehung mal jänzlich det Eijenthumsrecht vorbehalten, einerlei 
ob ick in diese miserable Welt und meinem schwachen Ver— 
ständniß den Irund, warum eijentlich?! insehe oder nich.
	        
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