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Elftes Kapitel

Full text: Villa Schönow / Raabe, Wilhelm (Public Domain)

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Ganz gelassen wendete sie sich zu ihrem Gefolge, fuchte 
sich ihren Schützling und Beschützer darunter aus und sagte: 
„Sie sind und bleiben ein verrückter Mensch, lieber 
Freund. Macht Ihnen denn der Unfinn wirklich immer 
noch so vielen Spaß, Schönow?“ 
„Ja!“ sprach Schönow mit vollster, herzlichster Ge— 
wißheit. „Entweder unter die Treppe jeblieben und im 
Verborjenen jeblüht und verduftet oder — Alles jroßartig, 
Alles mit volle Musik. Det Iroßartigste in der Welt 
bleiben trotz Düppel, Sechsundsechzig und Siebzig doch 
immer Sie, Fräulein; und was den armen Schönow an⸗ 
betrifft, wat hat er denn in und an sich, wat Sie ihm 
nich als eene verjoldete oder versilberte Frucht von Ihre 
Erziehung einjetrichtert und anjehängt haben, Fräulein? 
Eijentlich is et nur schade dabei, daß Sie mir nich die 
Lichter von Ihre janze Intellijenz haben aufstecken können, 
man hätte mir wahrscheinlich sonst schon längst als Berliner 
Weihnachtspirjamide mitten ins Deutsche Reich an eenem 
heilijen Christ uf'n Tisch jepflanzt, und der Deubel soll 
mir holen, wenn nich mehr als Eener, wenn man erst 
ordentlich jeklingelt wäre, sagen sollte: Ih, verflucht! Is 
et die Möjlichkeet? Seh Eener an, wie nett und jemüthlich 
doch det sonderbare Jewächse leuchten kann? Jejloobt hat's 
bis jetzt Keener.“ 
„Wenn gnädiges Fräulein vorher erst einige Toilette 
zu machen wünschen,“ sagte Maushacke, mit wiederholten 
Verbeugungen die Hände reibend, „so ist nebenan im 
Schlafgemach Alles bestens in Ordnung. Wenn gnädiges 
Fräulein einer der Hausjungfern bedürfen —“ 
„Danke, Herr,“ sagte Julie, „ich wasche mich selber. 
Einen Kamm und eine Zahnbürste bringe ich auch mit. 
Gnädiges Fräulein, lieber Herr Maushacke, bin ich nur so 
weit, als es unbedingt nöthig ist. Also eine Wasserkanne 
und Zubehör ist nebenan vorhanden; — dann trägt wohl 
M. Raabe, Villa Schönow
	        
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