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Erstes Kapitel

Full text: Villa Schönow / Raabe, Wilhelm (Public Domain)

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über mancherlei Elend, was nichts mit dem Wetter zu 
schaffen hatte, hinweg. Augenblicklich spielten sie das schöne 
Spiel „Glocke und Hammer“, nachdem sie zusammengekommen 
waren, um „Torquato Tasso“, ein Schauspiel von Goethe, 
mit „vertheilten Rollen“ zu lesen. Um die beiden Leonoren 
war natürlich ein groß Reißen unter den kleinen Mädchen 
gewesen. Sie waren, „daß doch alle dran kamen“, scenen⸗ 
weise an die jungen Idealistinnen um den runden Tisch 
vertheilt worden, und ähnlich, doch nicht ganz so schlimm, 
war es Don Alphons dem Zweiten, Herzog von Ferrara, 
ergangen. „Daß den lieben Antonio keine wollte, wußte 
ich schon im Voraus; also nur her damit!“ hatte Wittchen 
Hamelmann, die diesmalige Wirthin, gesagt, und also war 
es geschehen und das herzige Verbrechen an der deutschen 
dramatischen Muse von Neuem begangen worden. Glück— 
licherweise nicht länger, als es die Kinder selber ausgehalten 
hatten. 
Als im dritten Auftritt des dritten Aufzugs Leonore 
Sanvitale eben gesagt hatte: 
So soll es sein! — Hier kommt der rauhe Freund; 
Wir wollen sehn, ob wir ihn zähmen können — 
hatte der rauhe Freund, statt sich auf die bekannte Kontro— 
verse mit der schönen Dame einzulassen, gesagt: „Ich glaube, 
hier haben wir gerade die Hälfte. Ganz kommen wir doch 
nicht damit durch, und es ist immer hübsch, sich auch fürs 
nächste Mal noch was aufzuheben. Einem paar von den 
Prinzeffinnen und Leonoren merkte man doch das veränder⸗ 
liche Wetter ein bißchen an — meiner Rolle schadet es viel 
weniger, wenn ich auch mal hineinpruste oder sie mit dem 
Taschentuch an der Nase herlese; aber ich denke, wir geben 
fürs Erste doch mal wieder den Apfelkorb herum. Es sind 
bald die letzten vom letzten Herbst.“ 
Im Grunde schickte es sich für dies Alter (so ums 
sechzehnte herum) eigentlich gar nicht mehr recht, von der
	        
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