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Fünfundzwanzigstes Kapitel

Full text: Alltagsleute / Meyer-Förster, Wilhelm (Public Domain)

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Ohne ihr Vorwissen wurde im Nebenzimmer 
von den nächsten Angehörigen ein Kriegsrat ge—⸗ 
halten, dem Albert präsidierte und der den Beschluß 
faßte, die Alte — wie der Präsident sich unfein 
ausdrückte — auszurangieren. Sie wurde in einem 
Zustande, der Widerspruch nicht gestattete, nachts 
um elf Uhr in einer Droschke nach der Hollmann⸗ 
straße gefahren, dort mit Hilfe der Ohnesorge und 
der erstaunt hinzukommenden Majorin ins Bett 
geschafft und wachte am nächsten Morgen nicht in 
ihrem palastähnlichen Bette in Klaras Wohnung 
auf, sondern — sie traute ihren Augen nicht — 
in dem friedlichen „Loch“ von einst. Am Fenster 
saß die Majorin und trank Kaffee, das Zimmer 
war nach achtwöchentlichem Nichtgebrauch etwas 
verstaubt, sonst war alles wie früher. Sie wollte 
eine furchtbare Szene beginnen, aber die Majorin 
verbat sich das und begann dann mit dem Berichte 
der gestrigen Nacht die arme Geheimrätin etwa in 
die Stimmung der Fischersfrau im Märchen zu 
versetzen. Mittags kam im Auftrage Richards 
Herr Albert Schweder, war höflich, aber fest, er— 
öffnete der Geheimrätin ein kleines Bankkonto bei 
Gebrüder Schickler und bat sie, zur Vermeidung 
von Familienzwistigkeiten vorerst einige Tage Waffen⸗ 
stillstand eintreten zu lassen. Natürlich eilte die 
arme Frau wie eine Gehetzte zu ihrer Tochter,
	        
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