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Einundzwanzigstes Kapitel

Full text: Alltagsleute / Meyer-Förster, Wilhelm (Public Domain)

236 — 8 
„Frag nichts, sag nichts, aber leihe mir zwanzig 
Mark.“ 
Das war alles, was er zunächst hervorbrachte. 
Natürlich kommt auch Pastoren eine solche Bitte 
nicht immer gelegen, und Christian wollte Ausflüchte 
machen. 
„Ferner deinen besten Anzug und einen Zylinder. 
Frag nichts, sag nichts, ich habe keine Minute zu 
verlieren,“ vollendete der Agent seine Anrede. 
Er wartete auch gar nicht erst eine Antwort 
ab, holte aus dem Kleiderschrank alles Notwendige 
und begann zu Aladins Staunen sich seiner Kleidung 
zu entledigen. 
Christian war ein Herz von einem Menschen, 
dieses Vorgehen seines Bruders fand er jedoch 
unpassend, wenn nicht gar frech. Er gab dieser 
Ansicht auch Ausdruck, aber der Agent ließ sich 
auf keinerlei Auseinandersetzungen ein. 
„In zwei Stunden bin ich wieder da. Gib das 
Geld heraus, tue es in meine Hosentasche, — ich 
sage dir, es geht Großes vor.“ 
Kurzum, er ließ den Pastor durchaus nicht zum 
Nachdenken kommen, nahm dessen beste weiße 
Krawatte, verbrauchte einen halben Topf der teueren 
Rindermarkpomade und goß in der Aufregung 
Waschwasser auf den Teppich. Einzig dieser Um— 
stand brachte Christian in ernstlichen Zorn, aber
	        
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