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Zwanzigstes Kapitel

Full text: Alltagsleute / Meyer-Förster, Wilhelm (Public Domain)

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meinigen verknüpfen zu wollen. Fast dreimal bist 
du jünger, und ich — Anna, ich bin ein alter 
Mann. Ja.“ 
Sie war ganz wie betäubt. Im nächsten 
Moment, dachte sie, wird er die Tür öffnen und 
sagen: „Und nun adieu, leb wohl und laß dir's 
gut gehen.“ Da faßte sie eine schreckliche Angst, 
und sie umklammerte bittend seine Hände. 
Das legte natürlich wiederum der Anwalt falsch 
aus, und es fehlte gar nicht viel, daß er sich noch 
rasch eines andern besonnen hätte. Aber er hielt 
sich fest und würdig. 
„Du bleibst hier im Hause, Anna, und sorgst 
für alles während unsres Fernseins. In meinem 
Testament wirst du dich so reichlich bedacht finden, 
daß du keine Sorgen mehr zu fürchten hast. Dann, 
eines Tages, wird auch der Rechte kommen, meine 
liebe, gute Anna, der dich glücklicher machen wird, 
als ich alter Mann es gekonnt hätte. Nicht wahr?“ 
Er richtete sanft ihren Kopf empor, aber mit 
den in Tränen schwimmenden Augen sah sie gar 
nichts. Der Rechte? Etwa der Photographengehilfe 
von damals? Ach, wie traurig war das alles! 
Erst ganz allmählich begriff sie, was der Justiz⸗ 
rat beabsichtige, daß er es jedenfalls gut mit ihr 
meine und daß sie nach wie vor eine elegante und 
wohlbeköstigte junge Dame bleiben duͤrfe. Im 
W. Meyer-Förster, Alltagsleute 27
	        
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