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Achtzehntes Kapitel

Full text: Alltagsleute / Meyer-Förster, Wilhelm (Public Domain)

G 19 — 
sich. Trotzdem ihr Mann lange schon tot war 
und sie keinerlei Verwandte in der Armee hatte, 
sprach sie eigentlich nur von militärischen An⸗ 
gelegenheiten, bekämpfte der Geheimrätin gegenüber 
die Bedeutung des Beamtenstandes und war ihr — 
erstaunlich zu sagen! — an Beredsamkeit so über⸗ 
legen, daß die Geheimrätin beständig besiegt wurde 
und allmählich vollständig zur Sklavin der Majorin 
herabsank. Sich freimachen von ihrer Quälerin 
konnte sie nicht, denn die Majorin erschien pünktlich 
und nahm sie sofort in Beschlag. Und schließlich 
war sie auch herzensfroh, überhaupt jemand zur 
Unterhaltung zu haben. So lernte sie in diesem 
Sommer nicht nur die modernen Bilder kennen, 
sondern wurde auch in allen militärischen Dingen 
bewandert, kannte die Namen der kommandierenden 
Generale und träumte nachts, wenn der Alp sie 
drückte, von der Konstruktion des Mausergewehrs. 
Einmal kam Klaus in den Ausstellungspark 
und bezahlte für die beiden Damen Eis, ein Er— 
eignis, das alle Kellner des Restaurants in Staunen 
versetzte. Natürlich kam die Rede auf seine Leut— 
nantszeit und auf den milde verschleierten Grund 
seines Abschieds. Die Majorin witterte aber sofort 
den richtigen Sachverhalt und ereiferte sich in höchst 
unangenehmer Weise gegen die Geldheiraten der 
Offiziere. Klaus verteidigte sich und geriet dabei
	        
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