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Elftes Kapitel

Full text: Alltagsleute / Meyer-Förster, Wilhelm (Public Domain)

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stieß einen leisen Schrei aus und flog Mutter und 
Schwester an den Hals, Herr Kreiser redete aller— 
hand verwirrtes Zeug, Hedwig schluchzte, Klara 
schluchzte — selbst der wohlbeleibten Frau Geheim— 
rätin kam etwas wie Feuchtigkeit ins Auge. Das 
geschah allerdings mehr aus Rührung über sich 
selbst als Klaras wegen. 
Natürlich mußte Richard mitkommen. Er sandte 
einen Dienstmann an seinen Prinzipal mit der 
Nachricht, daß er stark erkrankt sei und heute abend 
nicht erscheinen könne; dann schritt er neben Klara 
die fünf Treppen hinauf. Hedwig war voraus— 
gelaufen und hatte Licht angesteckt, während die 
Geheimrätin rechtzeitig erwogen hatte, daß man 
mit Kuhkäse und einem Zipfel Leberwurst nicht 
Verlobung feiern könne. Hier zeigte sich so recht 
die unbillige Verordnung der Sonntagsruhe von 
ihrer störenden Seite. Um Brot, Butter, Schinken, 
Kaviar, drei Flaschen Wein und diverse Käse zu 
kaufen, muß die gehetzte Dame anderthalb Stunden 
umherirren, durch Hintertüren eindringen und den 
besorgten Kaufleuten lange Geschichten erzählen. 
Schließlich war sie beladen wie ein Packesel und 
empfand die fünf Treppen nach dieser Odyssee so 
unangenehm wie nie. 
Klara und Richard mußten auf dem Sofa sitzen, 
während Hedwig und die Geheimrätin in der Küche
	        
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