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Kinderspiele

Full text: Die Berliner Familie / Graeser, Erdmann (Public Domain)

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Die Berliner Familie 
Belustigungen der Mädchen haben keine so 
feste Grenze. Im Frühling und Herbst so— 
wohl kann man sie unermüdlich „Stricksprin— 
gen“ sehen, findet man ihre wunderlichen 
Kreidezeichnungen überall auf den Pflaster- 
steinen. Im Frühling freilich ist die Epi— 
demie am stärksten, selbst in den verkehrs— 
reichsten Straßen sieht man die kleinen 
Dinger mit ernsten, gewissenhaften Gesichtern 
auf einem Bein über die künstlichen Hinder— 
nisse ihres Spielfelds hüpfen. So eifrig 
sind sie dabei, daß sie das Stoßen und Drän— 
gen der Passanten nicht einmal merken. 
Dieses wunderliche Spiel hat im Laufe 
der letzten Jahre übrigens wesentliche Wand— 
lungen durchgemacht, es ist weit „gefähr— 
licher“ geworden. Vor etwa zwanzig Jahren 
kannte man nur als Seylla und Charybdis 
die beiden Stationen „Totenkopf“ und 
„Hölle“ und Hauptbedingung für das Ter— 
rain waren die quadratischen Pflastersteine. 
Jetzt kann man es auch auf dem Asphalt 
spielen, aber schon der komplizierten Zeich, 
nung sieht man es an, welche Tücken es an— 
genommen hat. 
Auch das zu Großvaters Zeiten übliche 
Murmelspiel ist anders geworden. Damals
	        
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