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Unerwünschter Besuch

Full text: Die Berliner Familie / Graeser, Erdmann (Public Domain)

Die Berliner Familie 
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das System der neuen Karlsbader Kaffee— 
maschine und preist die Vorzüge einer Peter— 
silien-Plantage in einer alten Zigarrenkiste. 
Aber man jammert noch mehr, denn so lange 
man lobt, zieht diese Tante die Augenbrauen 
stets hoch und wiegt bedenklich den Kopf. 
Sobald man aber klagt, tröstet sie: „Nein, 
wie schön ihr es doch habt, überall Doppel— 
fenster und einen Gaskocher,“ aber dabei 
schnüffelt sie in allen Ecken, um irgend etwas 
Fatales zu entdecken. 
Wie eine wachsame Mente umgibt sie 
aber die Familie; wohin sie sich auch 
wendet, sofort suchen aller Augen nach dem, 
was man etwa verbergen müßte. Und hat 
man etwas entdeckt, wird es wie durch 
Taschenspieler weggezaubert, geht heimlich 
von Hand zu Hand, war überhaupt nicht da. 
Oder — Tante wird abgelenkt, man lockt 
sie plötzlich mit dem Jubelruf: „Und sieh' 
mal hier, Tante. . .“, inzwischen drückt sich 
aber einer der Sprößlinge mit einem ge— 
heimnisvollen Wulst unter der Jacke durch 
die Türspalte und kehrt erleichtert zurück, 
mit triumphierendem Gesicht, als wolle er 
sagen: „Das haben wir wieder 'mal fein 
gemacht!“
	        
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