Path:
Der neue Hut

Full text: Die Berliner Familie / Graeser, Erdmann (Public Domain)

Die Beꝛliner Familie 
137 
trösten, einen praktischen und einen unprak— 
tischen Hut erstehen. In ein Wespennest 
hat er gestochen, wenn ihm etwa einfiele, zu 
äußern, daß ein Hut auch „dauerhaft“ sein 
müsse — seiner unmaßgeblichen Meinung 
nach — und daß er fürchte, dieses „Gedicht“ 
da werde beim ersten Windstoß fortfliegen. 
War das „liebe Kind“ aber „verständig“ 
und stimmte, nach erregtem Flüstern, dann 
selber für den Ankauf einer Bedeckung, die 
des Mannes Vorstellung von einem Hut 
nicht gänzlich widersprach, so wird er da— 
heim bitter dafür büßen. Dann ist der 
neue Hut nichts weiter als ein giftgrüner 
Zankapfel, der Weinkrämpfe veranlaßt. Er 
wird zur „alten Fasson“, zur „Schute“, wie 
sie die „Werderschen“ haben, und er fliegt 
entweder an die Decke oder gleich auf die 
Erde. Wie häufig ist es dann schon vorge— 
kommen, daß der bestürzte Ehemann in 
seinem Eifer, zu trösten, ohne es zu merken 
den Hut unter die Sohlen bekam, ihn ent— 
setzt nachher aufhob und „sie“ beim Anblick 
des malträtierten Dinges in den jubelnden 
Ruf ausbrach: „Jetzt hat er die richtige 
Fasson, nur noch 'ne Schnalle braucht 
dran!“
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.