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Der Diktattag

Full text: Die Berliner Familie / Graeser, Erdmann (Public Domain)

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Die Berliner Familie 
würdige Gemisch von Leder, Pappdeckeln 
und Tinte, ein Geruch, der ihn die nächsten 
fünf Stunden im Voraus durchkosten läßt. 
„Junge, mit dir ist heut' wieder kein 
Fortkommen, du mährst und mährst! Hast 
du denn ein reines Taschentuch?“ 
Taschentücher sind ihm jetzt Nebensache! 
Wer es vergessen hat, wird vor die Tür ge— 
jagt, darf sich ein Stück Papier mitnehmen 
und kann auf der Treppe sehen, wie er mit 
seiner Nase fertig wird. Das ist schimpflich, 
aber auch eine ganz angenehme Unter— 
brechung. Jetzt kann er sich damit aber 
nicht abgeben, sondern er muß überschlagen, 
wie er die drohenden Gefahren abwenden 
kann. 
Zuerst Religion. Das ist ungefährlich, 
da kann man mit der deutschen Rechtschrei— 
bung unterm Tisch, ganz gut lernen, muß 
„ihn“ nur inmerfort ansehen und still sitzen, 
dann kommt man nicht d'ran. Zweite 
Stunde Rechnen. In der Zwischenpause 
darf man „oben“ bleiben, hat also Zeit, die 
Resultate abzuschreiben — alles andere ist 
gemacht, nur die Ausrechnung nicht. 
Und nun das Diktat; wenn das nicht ge— 
schrieben würde, wäre es eigentlich ein
	        
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