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Eine Mutter

Full text: Mütter / Duncker, Dora (Public Domain)

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sie gegen Peter Larsen und Alrun empfand, immer 
wieder, auf kurze Zeit wenigstens, zurückzudrängen. 
Alrun fragte jetzt in ihrer stumpfsinnigen Ver- 
sunkenheit, die mit einer förmlich wütenden Sehn- 
sucht nach dem fernen Gatten abwechselte, kaum 
noch nach dem Kinde, dem Marianne die eigentliche 
Mutter war, Der kleine Bursch dagegen hing mit 
einer förmlich anbetenden Liebe an Alrun und liess 
nicht ab, in rührendster Weise um ihre Gegenliebe 
zu werben. 
Wenn er ‚einen vergeblichen Versuch gemacht 
hatte, sich seiner Mutter auf den Schoss oder in die 
Kleiderfalten zu stehlen, konnte er still vor sich hin 
weinen, wie ein Erwachsenes, dem ein grosser, ver- 
schwiegener Kummer das Herz abdrückt. 
Als Peter Larsen wiederkam, hatte das Kind 
noch schlechtere Tage. Instinktiv begann es in 
seinem Stiefvater den Feind zu fühlen, der ihn 
vollend: um die schon so spärliche Liebe der Mutter 
brachte, und wenn er die beiden liebkosend bei ein- 
ander fand, konnte er kirschrot vor Wut werden und 
die kleinen Fäustchen ballen. Niemals aber kam ein 
Laut über seine Lippen. So klein er war, er verbiss 
den eifersüchtigen Groll in sich hinein. 
Wenn Marianne zufällig Zeuge solcher Scenen 
war, krampfte sich ihr das Herz zusammen. Mein 
Gott, was sollte aus dem allen werden! Der Tote 
vergessen, jede Erinnerung an ihn in den Küssen des 
andern erstickt, das einzige, was von ihm geblieben, 
sein unschuldiges Kind, in seinem natürlichsten Em- 
pfinden, der Liebe zur Mutter, erbittert und ge- 
kränkti 
Alrun musste wenigstens das Kind wieder lieben. 
Es war ja Wahnsinn, dass sie es nicht tat, ihr ein- 
ziges Kind! 
Duncker, Mütter.
	        
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