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Fünftes Kapitel. Die Burg Hohen-Ziatz

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

Die Burg Hohen-Ziatz. 
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das Feuer nicht durch wollte, fingen die Wände doch auch an zu 
sengen, und wenn die Frau es merkte, mußte ein Knecht aufs 
Dach und einen Eimer Wasser hinuntergießen. Schadete gar 
nichts; der Rauchfang stand schon über hundert Jahre und noch 
mehr konnte er stehen, wenn nur immer einer da war mi 
einem Eimer Wasser. Zwar das Feuer ging dann aus, aber 
Holz war immer da. 
Holz und Luft war der Reichtum unserer Väter, und an 
heiden war auch im Saal der Bredows auf Hohen-Ziatz ein 
UÜberfluß. Die VLuft kam wie gesagt durch die Thür und durch 
den Schlot, aber außerdem auch durch die Treppenmündung 
aus dem oberen Geschoß. Denn nicht weniger als zwei Treppen 
führten zu beiden Seiten des Herdes, den wir eigentlich mit 
Unrecht Kamin nannten, hinauf, schwer, eckig und fest, und mit 
rotem Schnitzwerk verziert. Und so wenig es an der Treppe, 
war das Holz an den Wänden gespart, die mit glatten, bunt 
gestrichenen Bohlen von oben bis unten ausgelegt waren. Wäre 
der Rauch und das Alter nicht gewesen, hätte man noch die 
sieben Todsünden daran erkennen und manchen frommen Spruch 
lesen mögen. Aber das Alter drückte überall auf das Haus 
und seine Balken, und was ehedem in der Richte war und sich 
schickte, das war heute nicht mehr in der Richte und schickte 
sich auch vielleicht nicht mehr. 
Ehedem, weunn hier der Herr saß und tafelte mit seiner 
Familie und seinen Knechten, die Herren und die nächsten ihm 
oben am Feuer, die Knechte unten an der Thür, ward wohl 
noch an dem Herde selbst gebraten und gekocht; jetzt war schon 
seit zwei Menschenaltern die Küche in ein Seitenhaus gebracht. 
Nur ein warmes Morgenbier oder eine Ingbersuppe kochte bis— 
weilen die Burgfrau ihrem Eheherrn hier, wenn er über Land 
ritt und es zu garstig blies. Getafelt ward noch, aber es waren 
nicht mehr die alten lustigen Zeiten. Herr Gottfried war gräm⸗ 
lich, und wenn er lustig ward, dann schickte Frau Brigitte die 
Hnechte hinaus. Die Knechte waren eigentlich froh, wenn sie 
ihre Schüssel Brei im Stall oder auf dem Hofe verzehren 
konnten, und die Hausfrau war auch froh, wenn sie früher den 
Tisch aufbrechen konnte. Sie meinte, was das lange Plaudern 
thäte. Gescheites käme nicht 'raus. Herr Gottfried Bredow 
aber meinte, sie hätte unrecht, denn der Wein sei da, daß er
	        
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