Path:
Fünftes Kapitel. Die Burg Hohen-Ziatz

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

50 
Fünftes Kapitel. 
über Götzens Bett, wohin der Ritter sich zurückzog, wenn's ihm 
zu kraus und wirr unten ward. Der Stiel war schon von 
den Würmern zerfressen, die Seide auch, von der Zeit und 
dem Staub; ja, ein Käuzchen hatte in einem Sommer darin 
genistet, und der gute Herr Gottfried hatte es erst gemerkt, als die 
Kleinen einmal in der Nacht zu piepen anfingen. Zuerst hatte 
er etwas anderes gedacht, was ein christlicher Ritter ohne Schande 
immer denken mag, denn vor bösen Geistern kann auch der 
Frömmste einmal erschrecken; dann aber hatte er gedacht: J, was 
thut's, die Kleinen wollen auch leben, und hatte sich umgedreht 
und war eingeschlafen. 
Es war ein rechtes Nest für Eulen, hätte einer denken 
mögen, wenn er abends einen Blick in den Hof warf. 
Aber wieder war alles so klein, daß man auch hätte fragen 
können, wo denn die Eulen und Nachtvögel Platz fänden neben 
den Menschen? Doch in den Häusern unserer Vorfahren war 
immer viel Raum für andere, weil sie für sich selbst wenig 
brauchten. Was brauchte der Mensch mehr als ein Lager und 
ein Dach darüber für die Nacht? Das Kind, das zur Welt 
kommt, muß die vier Wände anschreien, so ist's alte Sitte; das 
Heimliche soll nicht vor aller Welt geschehen. Aber wenn er 
aufwächst und groß wird, baut ihm der liebe Himmel sein 
großes Haus, wo immer Platz ist für Tausende und Hundert— 
tausende mehr, als leben und leben werden. Die Sonne war 
die Kerze und das Feuer, und wenn es heiß war, der Baum 
und Wald unserer Väter Schatten, und die Luft wehete ihnen 
bessere Kühlung zu, als die dicksten Mauern. Nun, und wenn 
keine Sonne schien, und es regnete und stürmte, dann fand sich 
doch in jedem guten Haus eine Halle, ein Flur, eine Diele, wo 
die Genossenschaft am Feuer sitzen und durch Scherz und Gespräch 
die Ungunst des Wetters vertreiben konnte. Es thut nicht gut, 
daß der Mensch allein sei mit seinen Gedanken. Und die Halle 
fehlte auch nicht in Burg Hohen-Hiatz. 
Die Pferde hatten ihren Stall im Hof, die Hunde ihre 
Hütten am Thor, die Schweine ihre Koben daneben, auch Kühe 
und Stiere wurden unterweilen bei schlimmer Zeit in den 
Zwinger getrieben; wie sie da mit den Rossen sich vertrugen, 
war ihre Sorge. Der Storch nistete auf der Dachfirste vom 
Herrenhause, die Schwalben an den hölzernen Galerien, die
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.