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Fünftes Kapitel. Die Burg Hohen-Ziatz

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

Die Burg Hohen-Ziatz. 
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Wenden, das Kastell des älteren Dorfes, auf dem erst spüäter 
die deutsche Kultur mit Steinen gemauert hatte. Aber ein 
Schloß, wie sie im Frankenlande, in Schwaben, auch drüben in 
Sachsen auf den Bergen und Hügeln mit den roten Ziegel⸗ 
dächern in der Sonne flimmerten, war es doch nicht geworden. 
Die dicken Mauern und Türme, die über und hinter den Erd— 
wällen sich erhoben, waren nicht in dem Verhältnis ausge— 
baut, als sie angelegt schienen. Mochten den Herren die Mittel 
oder die Lust ausgegangen sein, mit so schwerem Gerät ein Haus 
aufzubauen. Sie waren zu dem Stoff und zum Teil zur Sitte 
ihrer Väter zurückgekehrt, und wo der Stein aufhörte, war mit 
Holz gezimmert, und wo die gebrannten Steine ausgingen, selbst 
der Lehm nicht verschmäht, um das Fachwerk auszufüllen. Selbst 
die Umfassungsmauer schien nicht auf allen Seiten fertig ge— 
worden, und wo sie Lücken bot, waren diese durch eingerammte 
Stämme mit Klammern, Gegenbalken und eisenbeschlagenen 
Spitzen ausgefüllt. Das Thor war noch ein großer steinerner 
Bogen, freilich nicht größer als in manchem Bauernhofe der 
sächsischen Lande, aber der achteckige Turm drüben schon aus 
Holz ineinander gefugt, das mit roͤtem Ziegelstein ausgemauert 
war, und wo der Ziegelstein ausgefallen, hatte man in spätern 
Zeiten sich mit Mörtel und Lehm genügen lassen. Bunt genug, 
und nicht immer sehr rechtwinklig, sah es von draußen aus; 
aber wenn der Markgraf Friedrich der Erste, seligen Andenkens, 
vor hundert Jahren mit seiner faulen Grete vor der Burg sich 
gelagert, wäre es schneller zu Ende gegangen mit den Mauern 
von Hohen-Hiatz als mit denen von Plauen, Lentzen und den 
anderen, die sieben Ellen dick waren. 
Die Bredow von Hohen-Ziatz hatten sich gefügt. Was 
nicht zu ändern ist, muß man gehen lassen, hatte der Vorfahr 
des Herrn Götz gedacht, als der erste Spaß vorüber war van 
der lustigen Schlacht am Kremmer Damm. Sie dankten Gott, 
daß die fränkischen Kriegsleute an ihrem Sumpf vorübergingen 
und keiner Lust zeigte, den geschlemgelten Damm durch die 
Wiese hinaufzureiten. Hätte doch Herrn Gottfrieds Großvater 
für den Fall sich sogar entschlossen, die alte Fahne auszuliefern, 
die er damals dem Hohenloher im Getümmel abnahm. Nun 
war sie in Hohen-diatz geblieben; nicht im Saal unten bei dem 
andern Rüstzeug, vielmehr hing sie oben in der Giebelkammer, 
Alexis. Die Hosen des Herrn von Bredow.
	        
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