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Drittes Kapitel. Die Waschbank

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

Die Waschbank. 
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den bloßen Füßen, wie es, ein Stück feiner Wäsche in der Hand, 
mit Armen und Füßen das Gleichgewicht zu halten unbewußt 
bemüht war. Ihr ängstlicher Blick, der fich noch nicht von dem 
Boden, auf dem sie stand, forttraute, ihre halbgeöffneten Lippen, 
die eine Reihe feiner Perlenzähne zeigten, ihr erstes Erbleichen, 
das jetzt schon einer Röte Platz gemacht, und dann wieder ein 
neuer Schreck, als sie auf den großen Granitblock schielte, auf 
den die Waschbank lostrieb. Sie war sichtlich im Zweifel, was 
zu thun. Sie steckte die goldene Dukatenkette, die allzu frei um 
ihren Hals spielte und beim Anstreifen an Gebüsch und Schilf 
eine gefährliche Schlinge werden konnte, mit der einen Hand 
in das Mieder und schien mit dem einen Arm im voraus zu 
prüfen, ob sie die Weide erreichen könne, die ihre Zweige von 
dem Steine über das Wasser streckte, um vor dem gefährlichen 
Anstoß sich zu schützen. 
Aber die Schifferin erreichte weder die hilfreiche Weide, 
noch den gefürchteten Granitblock. Es rauschte im Wasser und 
bald hatte ein kräftiger Arm die Waschbank gefaßt. „Du wirfft 
mich um,“ rief das Mädchen, denn von der phötzlichen Berührung 
aus seiner ebenmäßigen Bewegung gekommen, schwankte das Gefäß. 
„Dafür laß mich sorgen,“ rief der Retter und hielt ihr den 
rechten Arm in die Höh', während er mit dem linken die Bauk 
regierte. „Nun faß mich an und dann ist's gar nichts.“ 
Sie reichte ihm ihre zitternde Hand. Er watete etwa bis 
an die Brust im Wasser, und der Grund schien fest. 
Aber die Bank mit ihrer schönen Last durch die Strömung 
nach dem andern Ufer wieder zurückzuziehen, schien eine schwierige 
Aufgabe. Er strengte sich sichtlich an; er zitterte jetzt, während 
sie immer ruhiger wurde. 
„Fürchte Dich nicht, Eva,“ sprach er, als er keuchend einen 
Augenblick anhielt. 
„Was soll ich mich fürchten,“ erwiderte sie, „Du siehst ja, 
ich stehe fest. Ich brauche Deine Hand nicht mehr.“ 
Er kämpfte und überwand. Er stieß die Bank ans Land. 
Das Schilf niedertretend, arbeitete er sich mit einem Fuß ans 
Ufer und wollte ihr den Arm reichen; aber mit einem leichten Satz 
war sie schon herübergesprungen. Die Bank schnellte weit zurück 
„Da wären wir ja,“ sprach er. Aber der arme Hans 
Jürgen mußte gar zu possierliche Bewegungen machen, als er
	        
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