Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Ddie ßöpnicker Heide.
„Der kommt ungelegen,“ sprachen zwei Reiter, die am
grauenden Morgen durch die Köpnicker Heide ritten, als der
Wind einen ersten, leichten Schnee ihnen ins Gesicht trieb. Es
waren ritterbürtige Leute; aber mit den kurzen Waffen und in
ihren Büffelkollern und Wolfspelzen, unter denen die Panzer—
hemden verräterisch blinkten, ritten sie nicht zu Hof und Hochzeit.
Der Morgen war rauh und unfreundlich wie ihre Gesichter.
Sie folgten einem wenig befahrenen Holzwege. Wo der Wald
sich lichtete, hielten sie, wie um zu horchen. In weiter Ferne
hörte man dumpfe Hufschläge. Auf der andern Seite der Lichtung
schimmerte aus der Niederung eine verfallene Lehmhütte, deren
wettergepeitschtes, schiefes Dach allmählich seine braune Farbe
verlor.
Der eine Ritter schien gerade dies Dach mit besonderer Auf—
merksamkeit zu betrachten: „Siehst Du, Wedigo, es wird weiß.“
Der andere strich aus seinem roten Knebelbart den Morgen—
nebel: „Es bleibt aber nicht weiß. Der Rauch schmilzt es da
am Schlot. Die Sonne thut's für uns nachher.“
„Bis neun Uhr, wo er kommen soll, hat sie nicht die Kraft.“
„Und wenn nicht, was weiter!“
„Was weiter, schwere Not! Sollen wir wie die Eichkatzen
an den Baumästen klettern? An die siebzig, die von links und
rechts kommen, müssen doch Tapfen lassen. Es wäre die Pestilenz,
wenn er Wind bekäme, und es ginge wieder quer.“
„Ist er nur bis zum Süßengrund, dann mögen sie uns
wittern.“