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Zweiundzwanzigstes Kapitel. Du sollst nicht stehlen

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

290 Zweiundzwanzigstes Kapitel. Du sollst nicht stehlen. 
geschickt in besonderen Aufträgen, und jetzt kam er vom Schloß 
des Brandenburger Bischofs in Ziesar, um in die Vausitz zu 
reiten und von da nach Berlin zurück, und alles, was ihm auf— 
getragen, hatte er gut verrichtet. Unterwegs hatte er ansprechen 
wollen bei seinen Blutsfreunden in Ziatz. 
„Das kannst Du nun jetzt nicht, Hans Jürgen,“ sagte 
nachdenklich die Frau, aber plötzlich blitzte in ihr ein Gedanke 
auf. Sie ließ den Ruprecht halten, sie stieg vom Wagen, und 
der Reiter vom Pferde, dann ging sie mit ihm ein paar Schritte 
auf und ab, und sie sprachen, und schienen einig, und die Frau 
sehr vergnügt. 
Gleich darauf packte sie die Lederbüchsen in einen Sack, 
und Hans Jürgen steckte noch da hinein das Kettenhemde und 
die Büffelhaube seines Ohms, schnürte alles fest zu und legte 
es und band es auf sein Roß. Dann sprach sie zu ihm: „So 
also sprichst Du zum gnädigen Kurfürsten, nämlich ich meine, 
die rechten Worte wirst Du schon unterwegs finden. Wenn 
böse Leute, wie dazumal, sagen sollten, Dein Ohm wäre mit 
ausgeritten, wo er nicht reiten soll, so kannst Du schwören, er 
ist nicht dabei. Du hast seine Haube und sein Hemde, und 
was er sonst nie vom Leibe thut. Das schicke ich alles Seiner 
Kurfürstlichen Gnaden, zum Zeichen, daß mein Herr unschuldig 
und verredet ist, und damit kein anderer böser Bube es anzieht, 
und mein Götz kommt darum ins Unglück. So kannst Du 
sprechen, und dann sprichst Du die Wahrheit.“ 
Nun saß er wieder auf dem Pferde und die Frau auf dem 
Wagen. Ob er sich noch einmal über die Leiter gebogen, um 
auch zum Abschied, weil es anständig und artig, seine Muhme 
zu küssen, davon steht nichts in den Chroniken zu lesen. Aber 
er ritt sehr vergnügt in den Wald und Eva war es, als blühten 
die dürren Bäume und die Nachtigallen sängen, und Frau Brigitte 
sprach bei sich: „Gott sei Dank, nun bin ich sie los und alles 
wird gut.“
	        
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