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Zweiundzwanzigstes Kapitel. Du sollst nicht stehlen

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

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Zweiundzwanzigstes Kapitel. 
„Das wißt Ihr also auch?“ 
„Was dächtest Du nun, Kasper, wenn ich den Ruprecht 
und noch ein paar gute Bursche nähme und ließe die ganze 
Rüstkammer raustragen, ganz sacht, daß es keiner merkt, und 
die Rosse aus dem Stall ziehen; wir packten alles, was scharf 
ist und von Eisen, auf die Leiterwagen und damit führen wir 
in der Nacht nach Golzow. Die Rochows sind mir gut. Heuer 
wollen sie nicht mit. Bis er aufwachte, wären wir längst über 
alle Berge und dann könnte er doch nicht ausreiten. Du sollst 
nicht dabei sein, Du sollst nur sagen, was Du dazu denkst.“ 
„Straf mich Gott, Gestrenge, da müßt ich ja dabei sein. 
Wenn ich's merken thäte, da sprüng' ich auf den Hof und bis 
Ihr nur halb fertig wär't mit Aufpacken, riß ich das Fallgitter 
nieder und schrie aus Leibeskräften, bis er aufwachen thäte.“ 
„Schreien würdest Du? Dann müßten wir Dich also 
knebeln.“ 
„Würde mich aber verflucht wehren.“ 
„Dann müßte man Dich einsperren.“ 
„Ich schriee durch, 's ist ja für meinen Herrn.“ 
„Nun, wenn's hier unten wäre in der Schmiede, da könntest 
Du Dir die Lunge ausschreien, bis er's hörte.“ 
„'S hülfe Euch auch nichts, Gestrenge! Er hat sich in 
den Handschuh gebissen und geschworen, das kann ich schon sagen, 
vom Handschuh nämlich, das hat er mir nicht verboten. Da muß 
er's thun. Wenn er aufwacht und die Bescherung sähe, sobald 
er nur in den Hosen sitzt, springt er über die Mauer, wenn's 
nicht anders ist. Im Dorfe trifft er Pferde und die liederlichen 
Kerle da, denn's ganze Dorf könnt Ihr doch nicht mitnehmen nach 
Golzow. Er reitet fort, wie er ist, ich kenne ja meinen Herrn.“ 
„Wie er ist,“ wiederholte nachdrücklich die Frau. „Wie 
ist er denn, Kasper? Hat er 'nen guten Rausch?“ 
„J nu, die Treppe stieg er noch halbwege rauf. Nur auf 
den letzten Stufen mußte ich ihn unterfassen.“ 
„Hat er noch viel gesprochen?“ 
„Na! Nicht wie der Bischof von Brandenburg, wenn er 
einen guten Rausch hat, aber's hörte sich doch so an.“*) 
Der Bischof Seultetus von Brandenburg „war ein für— 
trefflicher Redner, konnte drei Stunden lang Orationes halten, so er einen 
guten Rausch hatte und auch wann er nüchtern war,“ sagte Angelus.
	        
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