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Zweites Kapitel. Die Beichte

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

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Zweites Kapitel. 
Bürgersleute schon, was prunkt das in Tuch und Seide, und 
wie sehen sie uns an! Wir haben nicht viel, aber ehrlich und 
adelig sein, das ist unsere Schuldigkeit. Und verlange ich denn, 
daß mein Herr Pluderhosen anlegen soll! Ich weiß ja, was 
das kostet. Unvernünftig bin ich nicht. Ner was zur Ordnung 
gehört. Weiß ich nicht so gut wie jeder, was sie von uns im 
Schloß zu Kölln denken. Mein Götz liegt nicht auf der Landstraße. 
Seit wir Mann und Weib sind, ein einzig Mal hat er mit 
Adam Kracht einen von Magdeburg geworfen. Seitdem nimmer 
mehr. Ich halte nichts davon, und wenn's auch nicht so streng 
verboten wäre. Was kostet das Halten von Rüstzeug, die Knechte 
und Pferde, und unsicher bleibt's immer, und wie oft lohnt es 
denn, wenn sie wochenlang in der Heide lungern und fangen 
solchen Schelm von Krämer. Die andern schlagen ihre Waren 
dafür auf, man muß's doppelt bezahlen, wenn man's braucht. 
Ich kenne das, wer nicht hören will, mag fühlen. Die Itzen— 
plitz sind wieder wie toll draußen und könnten so gut leben. 
Seine kurfürstlichen Gnaden haben neulich zu Spandow gesagt, 
sie könnten's jedem Edelmann anriechen, wer im Graben liegt. 
Darum sehen sie jeden mißtrauisch an, der in Leder geht, und 
nun gar in solchem Leder! Da kommen wir in schlechten Leu— 
mund, ohne Schuld, und können nichts dafür. Bei den heiligen 
eilftausend Jungfrauen, Herr Dechant, man muß auf sich halten, 
und wenn's der Mann nicht thut, muß die Frau. Es ging 
nicht anders.“ 
Der Dechant schlug die Hände zusammen und in väterlichem 
Tone sprach er: 
„Meine liebe Frau von Bredow, wer wollte denn daran 
zweifeln, daß es nicht anders ging. Ihr thatet es für Eure 
Kinder, Eure Sippschaft und Euren Gatten. Ihr waret es 
ihnen sogar schuldig. Ein Edelmann muß vor den Menschen, 
von denen die Ehre ausgeht, in Ehren bleiben. Wohlverstanden, 
vor den Menschen, denn der Herr im Himmel sieht durch jedes 
schmutzige Kleidungsstück auf den reinen Körper und durch den 
Körper auf die Seele. Aber die Menschen urteilen nach dem 
Schein. Wäret Ihr auf einer wüsten Insel, und der Waschteufel 
hätte Euch geplagt, die Kleider Eures Mannes zu stehlen, um 
sie zu reiben und zu spülen; da wäret Ihr im Unrecht, Ihr 
hättet es gethan, nur um Eurem Waschkitzel zu fröhnen, wie es
	        
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