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Neunzehntes Kapitel. Der Überfall

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

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Neunzehntes Kapitel. 
das nicht zugehen. So hat Frau von Bredow es oft erzählt und 
ihr Auge leuchtete dabei. „Ich war die Zauberin, allergnädigster 
Kurfürst, so ich es mich unterstehen darf,“ hatte sie, ihre Kniee 
bis zur Erde senkend und die Augen niederschlagend, gesprochen. 
Was der Kurfürst geträumt im Bernsteindufte der Halle 
von Hohen-Ziatz, das weiß ich nicht. Er schlief fest. Der rechte 
Arm hing vom Lager herab. Wenn die Burgfrau auf den 
Zehen die Treppe herunterschlich, eine Hand frische Bernstein— 
körner und Weihrauch auf die glimmenden Kohlen zu streuen, 
und die Kohlen flackerten auf, dünkte es auch sie, als wenn die 
Hand blutigrot sei. Leise schlich sie zur Thür hinaus, wo die 
Wacht stand, auf die Hellebarde gelehnt. Die Burgfrau brauchte 
ihn nicht zur Wachsamkeit zu ermuntern. „Keinen Fremden laß 
ich nicht ein; da soll keiner ihm ein Haar krümmen, bis er mag 
für sich selbst stehen.“ So sprach Hans Jürgen, und wie kleidete 
ihn jetzt die Stahlhaube, die er nicht mehr verkehrt aufgesetzt, 
der verblichene Waffenrock seines Vaters, der Küraß und das 
lange Schwert an seiner Seite. Die Base hatte es ihm aus 
dem Schrank gereicht und gesprochen: „Nun thu Deinen ersten 
guten Dienst.“ Er hatte laut geantwortet: „Das will ich, 
Base.“ Für sich hatte er hinzugesetzt: „Aber vor den Hosen 
steh ich nun nicht mehr Wache!“ 
Es war lange nach Mitternacht, als die gute Frau von 
Bredow endlich zur Ruhe kam, wenn das Ruhe war. Oben im 
Erkerstüblein ihres Herrn, das zur Notdurft trocken geworden, 
lag sie jetzt im Bette, das sie mit ihrer Eva teilen wollte, die 
noch das Abendgebet vor dem Kruzifix sprach. Zwei hatten gut 
Platz, aber wo fanden ihn alle die Gedanken, die in ihr arbeiteten 
und hin⸗- und herschwankten, wie die Fahne des Hohenlohers 
über dem Kopfkissen, wenn der Wind durch die zerbrochenen 
Scheiben strich. — Ob sie wohl alle gut untergebracht waren? 
Ach Gott, der Herr von Holzendorf lag in der Scheune! Zwar 
auf ihren besten Betten, aber doch immer in der Scheune, und 
solcher Herr! Ob er es ihr wohl nachtragen würde! — Aber 
er hatte es ja nicht anders gewollt. — Und ihr Herr! Wo 
mochte der wohl liegen? Vielleicht bei den Vettern im Havel— 
lande. Da kriegt er genug: es schadet denn auch nichts, wenn 
der Kasper ihn nicht mehr getroffen. Der Kasper würde wohl 
für sich die Blutwürste essen. Ausverschämt war er nicht, die
	        
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