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Zweites Kapitel. Die Beichte

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

Die Beichte. 
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„Warum! Ja, ich will nicht sagen, darum, weil sie schmutzig 
waren. Denn meinethalben hätten sie's bleiben mögen bis an 
den jüngsten Tag, wenn er ein so eigensinniger Narr ist. Aber 
konnt' ich's mir denn selbst vergeben, wenn er mir länger zum 
Gespött so rum ging! Seine Ehre ist ja auch meine, seiner 
Kinder Ehre. Ein Hauswesen ohne Ordnung ist kein Haus— 
wesen. Ja, nur der Kinder wegen! Es war meine Pflicht als 
Mutter. Es ging nicht anders, Herr Dechant. Aus purer guter 
Absicht hab' ich's gethan.“ 
„Darum also.“ 
Die Edelfrau wußte nicht, wie sie den Blick verstehen sollte. 
„Die großen Herren in Friesack, wenn sie einmal in die 
Zauche kommen, oder wir kommen mal alle Jubeljahr zu ihnen, 
ach, man muß sich ja in der Seele schämen! Wir sind doch ein 
Blut, aber wie sehen sie uns über die Achseln an! Nun ja, lieber 
Gott, wir haben kein Schloß Friesack, wo sie mit Hellebarden 
stehen an der Treppe und das Herz einem manchmal ordentlich 
puckert, wenn man auf die Teppiche tritt. Schnäbelschuhe, das 
schickt sich nicht für unsereins. Der alte Herr Bodo mit seinem 
weißen Haar, der ist schon freundlich. Aber die jungen Herren, 
wenn sie so dastehen, die Hände zur Seite in den Pluder gesteckt 
und uns ansehen, es fehlle ihnen nur noch ein Rauchstück im 
Maule, wie der Menschenfresser aus der neuen Welt, von dem sie 
erzühlen thun. Siebzig Ellen Tuch hat der älteste darin stecken, der 
zweite sechzig, und fo geht's runter, nicht aus Brandenburg, feines 
holländisches, geschlitzt ist's, und mit bunter Seide gefüttert; wenn 
sie galoppieren, glitzert's in der Sonne wie Wolken von Morgen⸗ 
rot, und mein Götz dagegen in dem alten Lederl!“ 
„Wenn Ihr es ihm vernünftig vorhieltet, was sagte er 
azuꝰ“ 
„Er sagt, um solche Hosen sollte man mal den Beinharnisch 
schnallen. Aber wie oft kommt es noch! Fehden soll's ja nicht 
mehr geben! Wir verbauerten ganz, sagen die von Friesack. 
Das soll man von leiblichen Vettern sich sagen lassen, und hat 
ein christlich Herz im Leibe. Weil wir nicht reich sindl 
„Es ist gewiß ein löblich Streben. vor den Blutsfreunden 
in Ehren zu bestehen.“ 
„Ach, Herr Dechant, wer auf sich hält vom Adel, der schafft 
sich Pluderhosen an. Und wenn wir nach Berlin reiten, die
	        
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