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Neunzehntes Kapitel. Der Überfall

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

Der Überfall. 
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Nun war das Haus leer, und Frau von Bredow allein. 
Als so aller Lärm plötzlich stumm geworden, war ihr fast bang 
zu Mute. Eine Thräne lief über ihre Backe. Da stand all 
ihr Unglück ihr erst recht vor Augen, ihre zerschlagenen Hoff— 
nungen; vor ihr lag es so trüb, ach, so viel, so Großes, als 
hätte es vorhin in dem Gewirr keinen Platz gehabt. 
„Ach, du lieber Gott! Was soll man anfangen!“ sagte 
die gute Frau und wischte mit der Schürze über die Backe. 
Die Großmagd Anne Susanne blickte sie schlau an. 
„Gestrenge! Der Herr ist fort. Da könnten wir ja 'mal 
scheuern!“ 
„Scheuern!“ — Es mußte ein wunderbarer Klang sein. 
Die Thräne war verschwunden, eine helle Röte zog sich über 
das eben noch blasse Gesicht der Edelfrau, und sie sah mit 
einem eigenen fragenden Blick die kluge Magd an: „Du meinst, 
Anne Susanne?“ 
„So recht ordentlich, von oben bis unten. Die Sonne 
kommt durch die Wolken. 'S wird ein warmer Tag; da trocknet's 
bhalde.“ 
„Da trocknet's balde,“ wiederholte die Edelfrau. 
„So ein Tag kommt uns wohl gar nicht wieder, Gestrenge.“ 
„Da hast Du wohl recht, aber —“ 
„Der Kasper ist auch fort. Der läßt ja nicht Besen und 
Faß 'ran, wenn der Herr aus ist —“ 
„Hast recht, ist ein unreinlicher Mensch, der Kasper, aber 
ne treue Seele.“ 
„Ach, Gestrenge, droben die Dielen und die Treppe, wie 
sieht das aus. Die Tauben, die reinflattern, und die kleinen 
Käuzchen, die Sperlinge, wenn der Herr sie füttert, und die 
Katzen! Werden mit der Hacke d'ran müssen. Der Besen thut's 
nicht mehr.“ 
„Ob's aber auch recht ist, Anne Susanne! Der Herr —“ 
„J„ der wird auch froh sein, wenn er's nicht merkt. Man 
kann ja oben nicht mehr ruhig schlafen. Das heckt ja!“ 
„Wenn er's nicht merkt. — Brigitte Bredow! Ein gebrannt 
Kind scheut das Feuer, und Du, eine so kluge und fromme 
Frau! — Erst eben — und nun steht der Versucher schon 
wieder vor Dir.“ Die Sonne schien so hell ihr ins Gesicht, 
als riefe sie: „Ich will schon trocknen, liebe Frau von Bredow!“ 
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