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Siebzehntes Kapitel. Hans Jochem

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

Hans J 
s Jochem. 
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Sonnenstrahl. Alle wie die Tiere, die nach der Atzung wittern, 
den Kopf zur Erde, und keiner, keiner die Augen nach der Sonne.“ 
Das arme Mädchen und der Fieberkranke allein! Sie 
drückte ihm sanft seinen aufgerichteten Leib an die Kissen. Seine 
Hände glühten nicht so als sein Auge. 
„Wir wollen für sie beten, Hans Jochem, gleich zum lieben 
Gott. Die Heiligen werden es uns wohl verzeihen —“ 
„Wir sind die Erwählten! Wenn wir miteinander beten, 
öffnet sich das Himmelsthor.“ 
„Mutter Gottes, verzeih ihm die Sünde!“ 
„Die lächelt herab auf uns, daß wir —“ die Ruhe schien 
einen Augenblick auf sein Gesicht zurückzukehren. — „Du und 
ich, wir gehören zu einander und haben uns nicht gefunden. 
Das geht wohl so in der Wüste. Der Staub verwirrt auch 
die Erwählten. Nun erst, da wir hinaus sind, da ist's zu spät, 
meinst Du. Nein, Agnes! Wenn Du im Chor zu Spandow 
auf den Knicen liegst, lieg' ich auch auf den Knieen — wo — 
wo doch? — O, Du wirst von mir hören! Was von mir hören! 
Du wirst deutlich hören mich beten, siehst mich knieen, die Mauern 
zwischen uns sinken. Wir sehen uns beide an, wie die seligen 
Märtyrer auf den Bildern mit süßen Liebesblicken —“ 
„Ach Himmelskönigin! Hans Jochem, das ist arge Sünde —“ 
„Sünde!“ rief er mit dem zufriedenen Lächeln eines Irren. 
„Uns kann sie nicht mehr berühren. Wir sind Erwählte, berufen, 
die andern zu retten. — Sie schwimmen im Meer, das ist das 
Leere — sieh, sieh die wenigen Wasserbläschen, die sich heraus— 
ringen, o Gott, das sind die Gedanken; fischen wir — Netze 
hinein — eine Angel mit süßem Köder — Agnes, sieh, wie 
schwer ich ziehe — hilf mr — nun — nun —“ 
Was ihr nicht gelungen, wirkte die Erschöpfung. Er sank 
ohnmächtig zurück. 
„Agnes!“ rief der Mutter Stimme. „Agnes!“ wiederholte 
Hans Jürgen. 
Sie riß sich los; aber wandte sich wieder um, und zitternd 
hauchte sie einen Kuß auf die Stirn des Ohnmächtigen. „Mutter 
Gottes, sieh es nicht! Mutter Gottes, verzeihe ihm und mir 
die Sünde!“
	        
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