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Fünfzehntes Kapitel. Kläger und Günstling

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

Kläger und Günstling. 
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Ende ihn sichtlich zu sprechen wünsche, hatte er gesagt, das habe 
wohl keine Eil, er stehe mit den Pfaffen nicht in so guter 
Freundschaft, um andere liebe Freunde, die ihm Teilnahme 
schenkten, darum zu verlassen. Auch redete er noch mit dem und 
jenem auf dem Wege, und wechselte dann mit dem Dechanten 
nur kurze Worte; doch von dem ab war der Herr von Linden⸗ 
berg so freudig geworden, wie wir sagten, und selten hatte man 
ihn so bei Hofe gesehen. 
Da trat er in den Kreis, den viele Herren um den alten 
Geheimrat von Schlieben bildeten, welcher ein Minister des 
Kurfürsten war und für einen sehr vorsichtigen Staalsmann 
galt, welcher sein Gesicht und noch mehr seine Worte bewachte. 
Die Herren wünschten zu horchen, wie denn wohl der Landtags⸗ 
abschied lauten würde, und ob der Kurfürst wohl heute schon, 
beim großen Hoftage, etwas davon werde verlauten lassen, wenn 
er rede, wie er pflegte. Der von Schlieben sagte mit einer sehr 
wichtigen Miene, er wisse zwar nichts, glaube indessen doch, 
daß getreue Stände sehr dankbar mit dem gnädigen Bescheide 
sein dürften. 
Kurt Schlabrendorf sah den Herrn von Lindenberg an: 
„Ist's so? Das wär's erste Mal.“ 
„Es ist eine Freude, den Abschied zu lesen, mein teurer 
Herr von Schlabrendorf. Man kann sagen, man konnte ihn 
ordentlich sich so denken.“ 
„Die sieben Propositionen wegen der Bierziese?“ fragte 
Ewald Schenk. 
„Die sind abgelehnt.“ 
„Das konnte man sich freilich denken. Aber unsere An— 
träge?“ sagte Kurt von Schlabrendorf, „die der Marschall nach 
dem heftigen Tage verglichꝰ“ 
„Sind auch abgelehnt.“ 
„Aber die Punkte wegen des Rezeßgeldes unserer alt— 
märkischen Städte,“ fragte Wigand Alvensleben, „und die Aus— 
einandersetzung mit der Hanseꝰ“ 
„Abgelehnt.“ 
„Na, die werden spucken und fluchen in Stendal und Salzwedel!“ 
„Ach aber in so väterlichem Tone!“ 
„In Summa also alles abgelehnt,“ rief der Schlabrendorf. 
„Wozu waren wir denn beisammen?“ 
Alexis. Die Hosen des Herrn von Bredow
	        
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