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Fünfzehntes Kapitel. Kläger und Günstling

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

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Fünfzehntes Kapitel. 
Es trat ein Kammerherr ein und überreichte dem Fürsten 
ein versiegeltes Schreiben. Joachim öffnete und las es. Sein 
Gesicht drückte ein unverkennbares Erstaunen aus. Abwechselnd 
blickte er den Krämer und die Schrift an: „Lügst Du, oder 
dies Geständnis? Unmöglich! Wer könnte etwas eingestehen, 
was er nicht beging. Und alle Beweggründe mit logischer 
Ordnung aufgeführt. Hörst Du, Gottfried von Bredow bekennt, 
daß er es war, der Dir nachjagte, Dich hinter Ferch einholte 
und warf. Er bittet um gnädige Strafe und will Dir alles 
zurückgeben. Was sagst Du darauf?“ 
„Herr, mein Kurfürst,“ sprach der Krämer, der sich auf— 
gerichtet hatte und gebeugten Leibes auf das Popier schielte, 
wie auf eine Zauberrolle. „Da steckt der Teufel drin, wenn 
das drinsteht.“ 
„Seine Namensunterschriff! Vom Vogt vom Mühlenhof 
beglaubigt.“ 
„Gnädigster Herr, werft das Papier fort.“ 
„Sein Wort gegen Deines. Er, ein Edelmann, klagt sich 
selbst an, Du willst ihn freisprechen. Die Präsumption ist, 
daß niemand gegen sich selbst zeugt.“ — Immer schärfer bohrten 
sich des jungen Kurfürsten Blicke auf den Mann. — „Seine 
Aussage klagt auch Dich an, Du hast also Grund, die Sache 
zu verdrehen —“ 
„Herr, 's ist wahr, ich nahm die Hosen von der Leine, 
aber nur, weil sie vergessen waren, und weil ich fror, knöpft' 
ich mich drein. Sie waren nicht wert des Mitnehmens; man 
hatte mir am Fließ zu arg mitgespielt. Das war doch nichts.“ 
„Genug, Dich zu verdächtigen. Wer bürgt mir, daß Du 
nicht bestochen bist vom Feinde einer meiner Hofleute, auf ihn 
auszusagen? Die Arglist unter den Menschen ist groß. Hier 
ein geständiger Verbrecher, der meiner Gnade sich unterwirft, 
und auf der andern Seite —“ 
Der Fürst ging, in sich versunken, auf und ab. Das Ge— 
räusch der Kommenden in dem Fürstensaale daneben begleitete 
seine ernsten Gedanken, wie das Rauschen eines Flusses. Es 
war eine schwere Sorge gewesen. Er glaubte sie alle zu kennen 
und traute keinem. Nun war es gelöst, die Last zu strafen 
von seinen Schultern genommen. Was ging der Ritter von 
Hohen⸗-Ziatz ihn an! Da war auch kein böser Ausgang, der
	        
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