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Vierzehntes Kapitel. Die Macht der Überzeugung

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

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Vierzehntes Kapitel. 
„Ist denn aber gar keine Aussicht da?“ — fragte er, und 
meinte für sich, denn die Welt würde sich schon selber helfen, 
meinte Herr von Bredow. Der Hofprediger aber dachte nicht 
an den, zu dessen Trost er geschickt war, sondern an die Welt. 
„Doch, eine,“ antwortete er, „ich meine, damit habe sich der 
Hölle Macht erschöpft. Sie wütet zu toll, das ist ein Anzeichen, 
daß es auf die Letzt geht. So wollen wir denn zum allmächtigen 
Gott hoffen, daß dieser Hosenteufel der letzte sei, der noch vor 
dem jüngsten Tage das Seinige thun und ausrichten sollte.“*) 
„Zum jüngsten Tage! Soll ich denn bis dahin eingesperrt 
bleiben? Herr Doktor, was habe ich denn mit dem Erbfeind zu 
schaffen gehabt? Es durfte ja in mein Haus keine Pluderhose.“ 
„Und dann wundert Ihr Euch, Lieber, der Anfechtungen! 
Weshalb ist Euch Satan feind, als eben darum. Er will Euer 
Verderben, wie er mein Verderben will, denn er ist klüger als 
die Schlange. Wenn ich von der Kanzel herab sehe, daß der 
Kurfürst lächelt, weiß ich nicht, daß er es ist, der ihn heimlich 
kitzelt; wenn er die Hand vor den Mund thut, glaubt Ihr, daß 
ich ihn gähnen mache? Wenn ich ihn bei Hofe antreten will, 
und er weicht mir aus, und ich hörte ihn einmal sagen: Ach 
Gott, da ist schon wieder der Schwätzer! Vermeint Ihr, daß 
ich der Schwätzer bin, und Joachim ist es, der mich dafür hält? 
Würde der gottesfürchtige, hochgelehrte Kurfürst einen Schwätzer 
zum Hofprediger bestellen! Satan allein ist's, der sich jetzt in 
meine, jetzt in des Kurfürsten, jetzt in Eure Gestalt hüllt, der 
so seine Dinge wirkt, und seine Dinge sind Unfriede, Gestank, 
Aufruhr, Finsternis, Wirrwarr und Mißverständnis, damit er 
im Trüben fischen kann.“ 
„Aber sagt doch, wie komme ich denn dazu? Wie komme ich los?“ 
„Ihr? — Durch Ergebung und Geduld. Wartet nur noch 
eine halbe Stunde, Herr von Bredow. Ich gehe meine Predigt 
zu holen. Wir wollen sie lesen von Anfang bis zu Ende. 
Dann, so gestärkt, wird uns der Herr ja die Wege weisen, um 
aus dem Irrsal Euch herauszuführen.“ 
Aber nach einer halben Stunde saß nicht der Hofkaplan, 
sondern der Dechant von Altbrandenburg neben dem Gefangenen, 
und hatte eine Schrift gefertigt, welche vor ihm auf dem Tische lag. 
*) Worte der Predigt.
	        
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