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Zwölftes Kapitel. Das Erwachen

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

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Zwölftes Kapitel. 
in der Forst. Überdem wer wagt zu zweifeln, der ein guter 
Vasall ist zu Brandenburg!“ 
Ein weniges ließ er das Pergament aufrollen, das er aus 
der Brust zog. Dann, als thäte es nicht not, schnellte er es 
wieder zusammen und schaute nur nach seinen Reitern. Was 
er vor sich sah, thut nicht gut, daß ein kurfürstlicher Diener es 
zu genau sah. 
Kasper riß den Mund auf und drückte die Faust an die 
Zähne; Eva schrie und flog zu Hans Jürgen. Sie fiel ihm 
nicht um den Hals, sie legte nur die Hände auf seine Schulter. 
„Daß Dich noch mal!“ hatte Herr Götz gerufen; weiter nichts, 
dann waren die Arme ihm straff niedergesunken und er schaute, 
blaß, mit seinen großen Augen ins Leere! aber Eva rief zu 
Hans Jürgen: „Dulden wir's?“ — „Wir dulden's nicht,“ hatte 
er geantwortet; ich weiß nicht, ob mit dem Mund oder den 
Augen, aber er sprang zur Treppe nach der Rüstkammer. Da 
war es gut, daß der kluge Knecht Ruprecht ihn auffing. Was 
der ihm zugeflüstert, da er ihn unterfaßte, ich kann's euch nicht 
wiedersagen. 
Die Harnische der Reiter klirrten, da sie einen Halbkreis 
um die Burginsassen schlossen; der Wachtmeister strich den 
Knebelbart, der Vogt von Arnim sprach kein Wort, aber auf 
seinen geschlossenen Lippen war geschrieben: Es ist Ernst, gegen 
den hilft nichts. 
Der Leiterwagen mit den Strohbündeln stand schon ge— 
schirrt im Hofe. Der Wachtmeister und noch ein Reiter setzten 
sich nach vorn und hinten, eine Kette mit Handschellen ver— 
bargen sie noch unterm Strohsitz in der Mitte. 
„Vater! Vater!“ — „Götze, mein Gottfried!“ 
Und konnte der Dechant nichts mitgeben als seinen Segen? 
Die Burgfrau stieß ihn fort, sie schlug ihren kräftigen Arm um 
den Hals ihres Herrn. 
„Warum mußtest Du mir das thun, Mann! Nun weiß 
ich's, Du hast zu frei gesprochen auf dem Landtag!“ 
Darum! — Das Darum und Warum verhallte unter dem 
Gerassel der Räder und Hufe auf der Zugbrücke. „Herr Dechant! 
Herr Dechant!“ riefen Mutter und Tochter dem geistlichen Herrn 
nach, der auch hinausritt, still, gesenkten Hauptes, aber er ritt 
nicht mit dem Wagen; er schwenkte draußen um nach links.
	        
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