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Elftes Kapitel. Kloster Lehnin

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

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Elftes Kapitel. 
seinen höchsten Nöten rief er: „Ach Sankt Johannes, wie Du 
den da rüber gebracht, hilf auch mir, wenn Du den Weg kennst.“ 
Und ihm war's, als liege um ihn eine Wolke, und ein Mann, 
halb nackend, mit zottigem Haar und einem Fell um die 
Schulter, aber einem lichten Siceifen um die Stirn, reichte dem 
Versinkenden die Hand und hob ihn und führte ihn sicher 
hinüber. Da verschwand er, und der Fürst lächelte: „Ei, Wußo, 
kennst Du so wenig Dein Land, daß Du selbst eines Führers bedarfstꝰ“ 
Der Tag war heiß und die beiden wurden müde von der 
Jagd, denn der Hirsch, wie oft sie ihn auch sahen, immer ver— 
schwand er wieder. Da rief Markgraf Otto: „Den Hirsch 
muß ich zum Stehen bringen; ist mir doch, als hinge mein 
Heil und Leben von seinem Leben ab. Ich hab's gelobt dem 
heiligen Hubertus; aber itzt kann ich nicht mehr.“ Und er sank 
Im, den Speer in der Hand, todmüde unter einer alten Eiche. 
Aber Wußo hatte auch gelobt bei seinem Götzen, das ist 
der Teufel, sein Heil und Leben sollte davon abhängen, daß er 
das Leben des Maͤrkgrafen nehme, was es ihn auch koste. Schwer 
ward es ihm, denn er war kein schlechter Mann, und glaubte 
es nur zu thun um seines Landes Wohl. Und da es Nacht 
wurde von den Wolken, die aufzogen, drückte er die Augen zu 
und faßte den Wurfspieß mit beiden Fäusten und wild rannte 
er auf den schlafenden Fürsten zu. Da fuhr ein Blitz aus der 
Eiche nieder und ein Donner krachte, als wäre der Baum von 
seinen Wurzeln gebrochen. Vor dem Mörder stand wieder 
derselbe Mann, der ihn über den Bruch geführt, drohend den 
Arm aufhebend, und Wußos Wurfspeer blieb wie angelötet in 
der Hand. „Ist das Dein Dank, daß ich Dich hergeführt?“ 
sprach Sankt Johannes. Und in demselben Augenblick fuhr auch 
der schlafende Fürst in die Höh', mit einem Schrei, der Wußo 
wie die Trompete des Gerichts durch die Seele ging: „Ha, es 
ist überstanden!“ Und Wußo lag auf den Knieen und wollte 
Worte ftammeln, aber seine Zunge klebte am Gaumen und in 
ihm brannte es wie ein stilles Feuer. 
Markgraf Otto rieb den Schlaf vom Auge: „Wo ist nun 
das Ungetüm?ꝰ Es stürzte mir ja zu Füßen?“ 
„Hier, Herr,“ sprach Wußo, „zertritt es.“ 
Der Fürst schüttelte das Haupt und stierte in die Wolken, 
wie noch im Tramnm: Den großen Hirsch meine ich mit seinem
	        
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