Path:
Erstes Kapitel. Die Herbstwäsche

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

Die Herbstwäsche. 
Kammern und Winkel, daß jedes Wollen- und Linnenstück, bis 
zum geringsten hinab, ein Sonntagsgesicht anlegen sollte. Drei 
Austwagen waren bepackt worden, und nachdem sie zugeschnürt mit 
Stricken und saubere Bastmatten darüber gelegt, hatte sich die 
Edelfrau selbst auf den vordersten gesetzt. Das war ein Auszug 
aus der Burg. Die drei Austwagen voran, die Mägde und 
Töchter der gnädigen Frau auf den zwei andern. Der Junker 
Hans Jochem wollte eine Leiter ansetzen, daß Evchen und Agnes 
leichter hinaufkümen. Frau Brigitte hatte es aber nicht gelitten; 
wie ein Ritter aufs Pferd müsse zur Not sonder Steigbügel und 
Prallstein, so sei eine große Wäsche der Dirnen ihr Ehren— 
und Schlachttag; müßten sich selbst zu helfen wissen, sonst wäre 
es nichts mit ihnen. Und ehe Hans Jochem zuspringen konnte, 
waren Evchen und Agnes auf dem großen Zeugwagen hinauf und 
lachten den Junker von oben aus. 
Drei Austwagen vorauf, der vorderste von zwei Knechten mit 
Pickelhauben und Spießen geführt, dazu ein Hornbläser, um den 
eine Koppel Hunde klaffte. Dahinter noch andere Wagen mit 
Bottichen, Kesseln, Stroh, Bänken, Decken, Fässern, Körben und 
was zur Lebens Notdurft diente, vollauf. Die Frau sprach 
lächelnd zu denen, die sich drob wunderten: Du sollst dem Ochsen, 
der da drischt, das Maul nicht verbinden. Und hintenan und 
zur Seiten Reiter und Fußgänger mit Jagdspießen, Armbrüsten; 
ja einer trug sogar einen schweren Muskedonner. 
So zogen sie über die krachende Zugbrücke unter Musik und 
Gelächter, und der Türmer blies ihnen noch eine Weise nach, 
bis sie im Walde verschwunden waren. Daß sie Hunde und 
Spieße und gar ein Feuergewehr mitnahmen und bald ein Dutzend 
rüstiger Männer bei einem Geschäfte waren, das anderwärts nur 
die Frauen angeht, darüber wird niemand sich wundern, der weiß, 
wie es zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts in der Mark 
Brandenburg aussah. Wer außer den Mauern einer Burg oder 
Stadt war, und er trug nicht den Bettlermantel um die nackten 
Schultern, that recht, wenn er den Leib umgürtete, auch wenn 
der Stahl dann etwas zu lang hinter dem Manne klirrte. Denn 
zu jeder guten Verrichtung gehört, daß, der sie verrichtet, in 
Sicherheit schaffe. Aber daß auch dieser und jener von der 
Sippschaft, des Hände zu fein waren, um die Seile zu spannen 
oder die Laken aufzuhängen, ja, daß sogar ein geistlicher Herr
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.