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Achtes Kapitel. Eine schlimme Entdeckung

Full text: Die Hosen des Herrn von Bredow / Alexis, Willibald (Public Domain)

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Achtes Kapitel. 
Dir geben, wenn Du mit ihm ausrittest, aber dann schämt' ich 
mich wieder. Hans, nimm's, steck's ein, sag's keinem. Bring's 
mir wieder, wann's Dir gut gegangen. Fort, nur fort. Rede 
nicht weiter, lieber Hans Jürgen, das thut nichts. Die lieben 
Englein sind bei einem auch ohne Amulett, sagt die Mutter, 
und die kann's eigentlich nicht leiden; nur weil's von der Groß— 
mutter seliger kommt, die hielt soviel drauf. Nun sei ein guter 
Junge und geh, und behalt mich lieb und keinem sag' davon was.“ 
Er stöhnte tief auf: „Ach Eva, Gott lohn's Dir, und ich 
will ein schlechter Kerl sein, wenn ich Dir nicht alles verzeihe, 
was Du mir zum Possen gethan hast mit den anderen. Weine 
nicht, Evchen, beim lieben Gott im Himmel und allen Heiligen, 
ich weiß nicht, was ich spreche. Es geht mir so im Kopf um. 
Aber wenn ich dachte, nun das wird doch gelingen, da wirft 
Du mal Lobs hören, da sollen sie mal sehen, wie ich kein 
dummer Junge bin, wie ich mich gut halte, weißt Du, an wen 
ich dachted Nicht an mich, nur an Dich. Dir wollte ich das 
Beste bringen, was ich fände. Dann würdest Du mich freund— 
lich ansehen. Nicht darum etwa. Ach Gott bewahre. Denn 
ich wußte doch, daß Du mir gut bist, aber Du schämtest Dich 
mein, weil ich so gar nichts bin. Und nun hättest Du Dich 
einmal freuen können und nicht schämen brauchen. Und nun 
ist mit einem Mal alles anders, ich bin schlechter als ich war, 
und der Hans Jochem —“ 
Er hielt inne, denn er glaubte einen Seufzer zu hören; 
aber Eva seufzte nicht. 
„Nun, ich will's ihm gönnen,“ fuhr er fort, „denn ich habe 
Dein Amulett. Ich bring's Dir wieder, Eva, ganz gewiß. Und 
wenn er auch ein Herr wird und zurückkommt mit Beute und Ehren, 
und alle ihn loben, und ich komme verachtet wieder und ausgelacht, 
und meinethalben auch als ein Krüppel, so weiß ich doch —“ 
Sie schlang ihre weichen Arme um seinen Nacken und 
drückte einen Kuß ihm auf die Lippen: „Bleib mir gut, ich 
bleibe Dir auch gut.“ 
Rasch zog sie ihn fort: „Nun darfst Du nicht länger weilen.“ 
An der Thür blieb er noch einmal stehen. „Aber Dein 
Vater, Eva —“ 
„Sei ohne Sorgen. Nun hat es noch Zeit. Die Mutter 
hat's mit dem Kasper abgemacht, daß er ihm noch einen
	        
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