Path:
Die moderne Auffassung des Tragischen

Full text: Berliner Kämpfe / Schlaikjer, Erich (Public Domain)

96 
schwarzen Sarg. Bald darauf wurde sie begraben 
und der Pastor sprach warm über die schönen 
Worte der heiligen Schrift: „Die Gnade des Herrn 
ist über alle Maßen.“ 
Für den Zösgling der klassischen —sthetik ent⸗ 
steht dieser Tragödie der Hütte gegenüber nun 
zunächst die bange Frage: Was haben diese Ceute 
zgethan; wodurch haben sie in ihrem armen Leben, 
wie es die klassische Tragödie fordert, die allge— 
meine Vernunft gestört? — Und wenn er ein 
leerer Tropf ist, der es liebt, sich in seiner Schul⸗ 
weisheit selbstgefällig zu spiegeln, wird er sein 
ästhetisches Spstem vielleicht retten, indem er folgert, 
daß diese Novelle gar nicht tragisch sei — analog 
jenem Engländer, der einmal, als er einen in 
seinem Bädecker verzeichneten Berg nicht finden 
konnte, erklärte: die Landschaft ist nicht richtig! 
— Aber mit der tragischen Natur der Novelle 
von Pontoppidan hat es schon seine Richtigkeit, 
und wer dieselbe aus unserer Reproduktion nicht 
schon unmittelbar durch das Gefühl als eine 
Thatsache erkannt hat, wird sich hoffentlich durch 
unsere Reflexion auf dem Umwege des Denkens 
überzeugen lassen. 
Es liegt zu Tage, daß hier die „Schuld“ 
und ihre Sühne durch die unerbittliche „sittliche 
Weltordnung“ fehlt, und empor wächst die Frage, 
was noch zurückbleibt, um uns jene Befriedigung 
zu gewähren, die nun einmal wie ein milder ver—
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.