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Bauernkunst

Full text: Berliner Kämpfe / Schlaikjer, Erich (Public Domain)

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moderne Dichter sich abquälen, ist kein Parfüm, 
das durch kunstvolle Destillation gewonnen wird. 
Die Intimität ist ein schlichtes Haideblümchen, das 
nur in der Stille fortkommt. Man muß sich 
ästhetische Theorien aus dem Kopf schlagen und 
fern vom Berliner Lärm suchen, um es zu finden. 
Obwohl wir den sprachlichen Segen der In— 
timität nicht gering anschlagen, glauben wir doch, 
daß eine naturfrische Bauernkunst der Dichtuns 
eine noch tiefere Quelle des Lebens erschließen kann. 
Wir meinen hiermit den fast unerschöpflichen 
Brunnen des Dialekts. Die Sprache muß immer 
wieder ihre Wurzeln in die Tiefe senken, wenn sie 
grünen und blühen soll. Verliert sie die Fühlung 
mit der Sprache des Volks, so schrumpft sie zu 
einem abstrakten grauen Etwas ein, von dem die 
Poesie sich schaudernd abwendet. Man braucht 
aber nur die Bauernsprüche durchzusehen, um zu 
wissen, wo die Sprache sich am besten Kraft und 
Erdgeruch holt. Mag man über die Ausdrucks- 
weise des Bauern denken, wie man immer will, 
eins wird man ihr niemals nachsagen können: daß 
sie nämlich blutleer sei. Der Sinn für farbensatte 
Bilder ist vielleicht keinem Stand so eigentümlich, 
wie dem Bauernstand, aus welchem Grunde sich 
denn auch die Künstler stets zu den Bauern hin— 
gezogen fühlten, während die „gebildeten“ blut— 
leeren Stadtmenschen sich entsetzt das Caschentuch 
unter die Nase hielten. Man verstehe mich recht:
	        
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