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Geistererscheinungen

Full text: Berliner Kämpfe / Schlaikjer, Erich (Public Domain)

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im Weltgebäude nicht jeder Winkel von der Ver— 
nunft erhellt ist, so lange bestimmen dunkle Mächte, 
die wir nicht erkennen und nicht beherrschen können, 
unser armes Schicksal. Mit diesem Unbekannten 
aber, das jenseits unserer Vernunft liegt, zieht die 
Furcht in unsere Seele, wo sie in ruhigen Stunden 
als Ehrfurcht wohnt, um sich zu anderen Zeiten 
dann wieder in ein tiefes Grauen zu verwandeln. 
Wenn Ort und Stimmung günstig sind, glauben 
wir an alle Gespenster. Wir wissen eben instinktiv, 
daß es einen Rest giebt, den wir nicht kennen, 
und fühlen uns daher nie ganz sicher. Auf einer 
nächtlichen Wanderung kann uns ein herbstkahler 
Weidenstumpf erschrecken, und ist die Furcht dann 
einmal rege, kann das wechselnde Licht des Mondes 
und das Rascheln dürrer Blätter uns mit gespen⸗ 
stischem Grauen erfüllen. Und wie die Furcht 
vor dem Dunkeln, so lebt auch der Glaube an 
das überirdisch Helle ewig im menschlichen Herzen. 
Das Unbekannte, das die Furcht erzeugt, läßt auch 
der Hoffnung Raum, und die Hoffnung schafft 
immer aufs neue die lichten Engel, die den ratio— 
nalistischen Schulmeistern ein so spaßiges Unbe— 
hagen bereiten. Wer krank ist, lehnt das müde 
Hhaupt in die Kissen zurück und sehnt sich nach 
dem Engel des Mitleids, daß er an sein Cager 
trete und ihm die liebe Hand auf die fiebernde 
Stirne lege. Und wenn dann das Leben wieder— 
kehrt und die bleiche Sonne der Genesung scheint,
	        
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