Path:
Streitende Gedanken aus Hebbels kritischen Schriften

Full text: Berliner Kämpfe / Schlaikjer, Erich (Public Domain)

— 132 — 
Es nützt nichts, daß sie in die Renaissance zurück⸗ 
fliehen: ste nehmen ihr kleines Ich ja mit. Man 
wird also gut thun, diese ganze Bewegung nicht 
zu überschätzen. Die neuen Stoffe thun es nicht. 
Es muß ein neuer Mann kommen. Und der 
wird vielleicht mit seinem Dichten ruhig in der 
Gegenwart bleiben. Jedenfalls kann er es, wenn 
er es will. 
Zu den feinsten Gedanken, die sich in den 
kritischen Schriften finden, gehören meines Erachtens 
die Anmerkungen über das Leiden auf der Bühne. 
Der richtige Satz, daß nur Handlungen in das 
Drama gehören, erfährt von den „Cheaterprak— 
likern“ eine entsetzlich banausische Anwendung. 
Wo sich Gedanken und Empfindungen zeigen (und 
zehörten sie noch so fest zu dem eben sich ab⸗ 
spielenden Vorgangl), fahren sie entsetzt zurück. 
Wir wollen Handlung, rufen sie, Handlung, Hand⸗ 
lung, Handlung, d. h. Handlung im Sinne des 
Holportageromans. Eine Flucht von Begeben— 
—D— 
wollen sie in die Tiefe einer Begebenheit blicken, 
um sich zu sammeln und ernst zu werden. In 
ihrem rohen Sinne ist schließlich, wie Hebbel richtig 
bemerkt, ein stillschweigend gezogener Degen der 
Höhepunkt aller Aktion. Aber, fügt er hinzu, 
handlungen sind keine dramatischen Handlungen, 
wenn sie sich ohne die sie vorbereitenden 
Gedanken und die sie begleitenden Empfin—
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.