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Widmungen, Ansprachen, Festgesänge[,] Denk- und Trinksprüche[,] Reden und Episteln in Versen

Full text: Aus dem Leben / Trojan, Johannes (Public Domain)

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Sie mehren unser Glück, sie mindern unsre Pein 
Und wirken allezeit erziehlich auf uns ein. 
Ja, selbst wenn hart und streng sich eine Frau erweist, 
Wohltätig wirkt trotzdem sie auf des Mannes Geist. 
Der weise Sokrates wär' nicht so weis' gewesen, 
hätt' ihm Xanthippe nicht manchmal den Tert gelesen. 
Sie zeigte ihm den Pfad zu der Philosophie, 
Berühmt geworden wär' er schwerlich ohne sie. 
Doch will ich nicht zu viel auf dieses Beispiel geben, 
Vielmehr mit größrem Lob die sanfte Frau erheben, 
Die immer freundliche Gedanken für uns hegt, 
Mit Liebe uns belehrt, uns mit Geduld erträgt, 
In harten Seiten uns mit Mut und Kraft beseelt. 
Der arme Junggesell, dem solche Schulung fehlt, 
Rann deshalb niemals zum vollkommnen Menschen werden, 
Ein Krüppel bleibt er stets, so lang' er lebt auf Erden, 
Der ärmste, niemals schleift er seine Ecken ab, 
Und halberzogen nur sinkt endlich er ins Grab. 
In allem, Freunde, auch, was wir erstreben, muß 
Die Frau uns helfen, dies sei meiner Rede Schluß. 
Ein halbes Werk nur ist getan und viele Müh' 
Ist aufgewandt umsonst, gewinnen wir nicht sie. 
Nichts sind wir, wenn wir nicht die helferinnen haben, 
Die uns zur Seite stehn mit ihren Geistesgaben, 
Mit ihrem Herzen, mit dem einfach schlichten Sinn, 
Der auch Gelehrte oft weist auf das Rechte hin. 
Sie wollen wir auch heut bestrebt sein zu gewinnen — 
Es leben hoch die Fraun als unsre Lehrerinnen!
	        
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