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Drittes Buch III. Gen Abend

Full text : Lieder und Gedichte / Rodenberg, Julius (Public Domain)

162

Und doch! — wenn Sonnen selbst verschweben,
Verwesung um das Schönste wirbt:
Wer möchte leben, möchte leben,
Wenn Alles, Alles um ihn stirbt?

Herbstlieder.
r.

Pflückt mir keine Rosen mehr,
Ach, der Garten ist bald leer.
All des Frühlings holde Pracht
Hat der Sommer gleich gemacht.

Blauer Flieder, Silberbaum —
Alles, Alles war ein Traum!
Wo die Nachtigall einst sang,
Ist jetzt dünn der Heckengang.

Wo gegrünt die junge Saat,
Schnitter mit der Seuse naht,
Und noch einmal fühlt die Brust,
Wie so kurz, so kurz die Lust;

Wie, je mehr es vorwärts drängt,
Unser Herz am Gestern hängt
Und der Freud' sich fast entwöhnt,
Die den Augenblick verschönt,

Zitternd, daß auch der enteilt,
Wenn wir kaum uns mitgetheilt,
O, wie kurz des Lebens Rest,
Und wer hält, wer hält es fest!
            
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