Wenn sich gen Abend lieblich sonnen
Wenn sich gen Abend lieblich sonnen
Die stillen Wälder rings umher;
Wenn abermals ein Tag verronnen,
Mit Hoffnung, Zweifel und Begehr;
Wenn aus der Berge dunklem Kreise
Das letzte Goldgewölk sich hebt,
Und hier am Baume leise, leise
Schon welkend Laub im Winde bebt:
Dann wohl mit ahnungsvollem Schauer
Ergreift Dich dieser Himmelsglanz,
Und stumm siehst Du nach kurzer Dauer,
Verblühn des Tages Rosenkranz.
Indessen aus des Thales Grunde
Die Nebel steigen, bleich und matt;
Und Lebewohl ruft jede Stunde,
Und Lebewohl ruft jedes Blatt.
Dann wird es wohl ums Herz Dir weher —
Du fühlst im eh'rnen Gang der Zeit
Um einen Tag dem Grab Dich näher,
Um einen Schritt der Ewigkeit.
Rodenberg, Lieder u. Gedichte.