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Text III.

Full text: Dr. Richard M. Meyer, Privatdozent an der Universität Berlin, ein litterarischer Ehrabschneider / Holz, Arno (Public Domain)

Artikels stand gezeichnet Dr. John Schikowski. Herr Dr. John 
Schikowski ist mir persönlich nicht bekannt und, soweit ich infor- 
mirt bin, sogar „Hauptmannianer“. Ich bin also völlig gesund und 
leide nicht an Verfolgungswahn. 
Zu diesem „Martyrium“, damit kein Missverständniss aufkommt, 
bemerke ich: ich bedaure es nicht. Ich „bemitleide“ mich nicht. 
Am wenigsten vollends beneide ich den „glückbegünstigten Gerhart 
Hauptmann“. Eine Reihe von Umständen, die ich, rein zufällig, fast alle 
kontrolliren konnte, und unter denen seine Begabung, meiner Meinung 
nach, nur die zweite Rolle spielt, haben ihn — für die Fernstehenden — 
nach und nach in eine Höhe geschraubt, in der er sich — auch für die 
Fernstehenden — auf die Dauer nicht wird behaupten können. Und 
ich bin fest davon überzeugt: er selbst fühlt dies am tiefsten! Ich kenne 
keinen reineren Fall von Tragik... Alle Gefahren, denen ein Charakter 
erliegen muss, der, durch Kampf noch nicht gestählt, sich plötzlich 
vor Anforderungen sieht, die von ihm das Höchste verlangen, alle 
diese Gefahren, alle diese Versuchungen sind mir erspart geblieben. 
Ich stand dafür vor andern, Ich habe sie überwunden und sie 
liegen hinter mir. Ich müsste mir einfach das Hirn umdrehen, 
wollte ich heute anders denken:. mir konnte etwas dienlicheres als dies 
„Martyrium“ garnicht passiren. Und wenn es mich nichts gelehrt 
hätte, als nur das Eine, ohne das Dauerndes nicht geschaffen wird, 
Verachtung der Masse. 
Es ist also nicht, was Verschiedenen vielleicht passen könnte, 
jetzt Erbitterung, die aus mir spricht, Entrüstung, dass man mich 
nicht sofort zum Kaiser von China gemacht hat, dem der Herr 
v. Wildenbruch den Pfauenschirm zu halten hat und der Herr Lauff 
Sonstwas, sondern: ich bin unbescheidener. Ein solches Mode- 
berühmtsein, ein solches litterarisches Eintagsfliegenthum genügt mir 
nicht. Ich verlange von meinem Leben mehr! Dieselbe Ehrfurcht, 
die mich nicht mehr vor der Masse plagt, plagt mich auch nicht 
mehr vor Einzelnen. Oder doch wenigstens nicht mehr vor Solchen, 
wie sie mir im Moment in strahlenden Papierhelmen gegenüber- 
stehn. Und da sehe ich denn nicht ein — für jeden Schlag, den 
man mir giebt, zehn zurück. „Martyrium“ mit Musikbegleitung! 
IV. 
Um seiner Taktik gegen mich ein möglichst bequemes Terrain 
zu sichern, erklärt Herr Meyer, dass ich „Dichter“ eigentlich nicht 
wäre. Gegen ein solches Geschmacksurtheil habe ich natürlich nichts 
aäinzuwenden. Es abzugeben, ist Herrn Meyers gutes Recht, und es
	        
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