Path:
Zweites Capitel. Politik

Full text: Heinrich von Kleist's Berliner Kämpfe / Steig, Reinhold (Public Domain)

80 
B Zweites Capitel. 
— 
Arnim und Raumer hatten in jugendlichem Wetteifer 
glänzend neben einander die Klassen des Joachimsthalschen 
Gymnasiums in Berlin durchgemacht. Beide gingen zum 
gleichen Termin nach Halle, wo sie schwärmten und strebten 
in einem eigens von ihnen gestifteten Studenten⸗Vereine. 
Dann studirten sie wieder gemeinschaftlich in Göttingen. Ihre 
Jugendfreundschaft war verflochten in einander. Noch in 
Berlin dauerte der Umgang fort, der in natürlichem Laufe 
der Dinge Raumer's Bekanntschaft mit Heinrich von Kleist 
und anderen Freunden zur Folge hatte: Raumer bezeichnet 
noch zu Anfang des Conflictes sein Verhältniß zu Kleist als 
Freundschaft. Und was enthalten nun seine Erinnerungen 
über Arnim? 
Nichts als zwei Ausfälle gegen ihn. Zur Hallenser Zeit 
bemerkt Raumer nur, Arnim habe sich vorzugsweise dort mit 
Physik beschäftigt, dagegen seinen Eifer für Geschichte ver— 
spottet: „doch (fügt er bitter hinzu) bin ich meiner Vorliebe 
getreuer geblieben, als er der seinigen.“ In Göttingen erzählt 
er von sich eine kleine Liebelei, um dann fortzufahren: „Mehr 
Einfluß hatte auf Achim von Arnim seine Zuneigung zur — —. 
Sie fand, daß seine physischen und chemischen Studien einen 
zu unangenehmen Einfluß auf seine Atmosphäre hatten. Des⸗ 
halb warf er alle bisherigen Beschäftigungen zur Seite, er⸗ 
neute seine Garderobe, versorgte sich mit wohlriechenden Essen⸗ 
zen und schrieb „Holly's (sioh Liebeleben“. Nun, wir wissen 
heut aus reichlich fließenden Quellen und merken dem Tone 
Raumer's an, daß so der Uebergang bei Arnim von einer 
Beschäftigung zur andern nicht gewesen sein kann. Eine Zeit⸗ 
lang trieb Arnim beides sogar neben einander. Das von 
Raumer angegebene Motiv hat noch weniger Werth. Er deutet 
in etwas verfänglicher Weise eine „ßZuneigung“ zu Frau Jean⸗ 
nette Dietrich an, der Gattin des Göttinger Buchhändlers, in
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.