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Abschluss. Kleist's menschliche Unsterblichkeit

Full text: Heinrich von Kleist's Berliner Kämpfe / Steig, Reinhold (Public Domain)

ʒ⸗ Rleist's menschliche Unsterblichkeit. 695 
J— 
des Durchschnittlichen wieder empor. Und was von ihnen 
einstmals nicht gedruckt werden durfte, fand jetzt, wie es zuerst 
hervortrat, ein Publieum, das für Genuß und Würdigung des 
neu Dargebotenen empfänglich war. Ludwig Tieck, als die 
Autorität in dem ästhetisch-geistigen Deutschland damals, hatte 
die Sammlung und Herausgabe der poetischen Schriften in 
die Hand genommen. Er ließ mit Fleiß bei Seite, was seinen 
Zweck, Kleist als Dichter hinzustellen, nicht gefördert hätte. 
Niemand fühlte sich neu gereizt. Die wunderbare Kraft, die 
von der Totalwirkung der vereinigten Dichtungen ausging, 
überwand die alten Gegnerschaften. Man ergriff die Ge— 
legenheit, mit Kleist seinen Frieden zu machen. Goethe be⸗ 
zeichnete, abwägend und rechtfertigend, den Punct, worin seine 
aufrichtige Theilnahme für „jenen talentvollen Mann“ zuletzt 
mit Tieck's Pietät gegen ihn übereinkomme; wenngleich ihm 
noch ein unmuthiges Wort über den Kleistischen Unfug und 
alles verwandte Unheil entschlüpfte. Ludwig Robert, dem das 
Verständniß eines Charakters, wie des Thuschens, niemals 
aufgehen wollte, neigte sich doch vor der Kleist's Schriften ge⸗ 
widmeten Arbeit Tieck's. Heinrich Zschokke trug in seiner 
Selbstschau dafür Sorge, daß seine frühe Bekanntschaft 
mit Kleist unbefleckt darin hervortrete. Diese drei Männer 
allein stelle ich als die Vertreter der einst Kleist feindlichen 
Richtungen hin. 
Nun gewann Kleist auch die Bühne. Graf Brühl holte 
in Berlin nach, was unter Iffland's Direction nicht zu er⸗ 
reichen gewesen war. Welches Theater gäbe es seitdem in 
Deutschland, von dessen Bühne herab Kleist nicht zu seinem 
Volke spräche. Kleist's vaterländische Richtung ist von nach 
ihm kommenden Dichtern, bis in die jüngsten Zeiten, fort— 
geführt worden: Niemand hat sein herrliches Käthchen (wenn 
es nur recht gespielt würde), Niemand seinen Prinzen von
	        
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