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Neuntes Capitel. Die letzten Kämpfe

Full text: Heinrich von Kleist's Berliner Kämpfe / Steig, Reinhold (Public Domain)

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Neuntes Capitel. 
Phantasie hervor. Auch die Markisinn von O ** vereinige 
mit dem Sonderbaren der Situation die Kunst lebhafter und 
schöner Darstellung. Die dritte habe etwas Empörendes, und 
sei auch zu skizzenhaft behandelt. Man empfindet sofort, was 
für die erste Novelle einnahm: nämlich die Auflehnung des 
Roßkamms gegen den Junker. Unsäglich trivial sind die 
Ausführungen über den Charakter Kohlhaasens und über die 
dichterische Phantasie überhaupt. 
Nirgends begegnet damals eine freie, edle Würdigung 
der Dichtungen Kleist's. Kein aufmunterndes Wort ist seinem 
Streben und Ringen von einer maßgebenden Stelle aus zu 
Theil geworden. Wie wurde Arnim in dem Kampfe um das 
Wunderhorn durch Goethe's öffentliche Empfehlung gestärkt. 
Die großen Recensiranstalten jener Tage, die Jenaische, die 
Hallische, die Leipziger, die Göttingische, selbst die Heidel⸗ 
bergische gingen achtlos an Kleist's Dichtungen vorüber. In 
den üblichen Meßübersichten der gewöhnlichen Zeitungen fand 
ich Kleist's Namen selten erwähnt, und wo es geschah, meist 
mit einem häßlichen Nebenaccent. Seine journalistischen Pro⸗ 
ductionen dagegen wurden von der Tagespresse bepflückt, meist 
immer ohne die Angabe, was ihm oder seiner Zeitung ent—⸗ 
nommen sei. Das Alles, wie nach einem verabredeten Sy⸗ 
stem arbeitend, lastete auf dem Absatz, auf dem Verleger, 
und am letzten Ende auf Kleist selbst. Von außen her be—⸗ 
trachtet, ein niederdrückendes Resultat, dem Kleist nichts als 
das eigne Bewußtsein und die eigne Energie entgegen zu 
setzen hatte. Niemals aber ist einer seiner Gegner, am wenig— 
sten Saul Ascher, einer Zeile von Kleist gewürdigt worden. 
Kleist ging wohl auf Goethe oder Hardenberg los, wenn es sein 
mußte; aber auf Saul Ascher — der stand zu tief für ihn. 
Die paar gutmüthig-wirkungslosen Anzeigen aber in der 
Dresdener Zeitung für die elegante Welt konnten nicht gut
	        
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