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Achtes Capitel. Heinrich von Kleist als Autor in den Abendblättern

Full text: Heinrich von Kleist's Berliner Kämpfe / Steig, Reinhold (Public Domain)

Wallermaãnner und Sirenen. 
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eine sogenannte Sirene im Wasser. Man brachte sie nach Harlem, 
lleidete sie und lehrte sie spinnen. Sie nahm gewöhnliche Speise zu 
sich und lebte einige Jahre. Sprechen lernte sie nicht, ihre Töne glichen 
dem Aechzen eines Sterbenden. Immer zeigte sie den stärksten Trieb zum 
Wasser. — Im Jahr 1560 fiengen Fischer von der Insel Ceylan mehrere 
solcher Ungeheuer auf einmal im Netze. Dimas Bosquez von Valence, 
der sie untersuchte und einige, die gestorben waren, in Gegenwart mehrerer 
Missionaire anatomirte, fand alle inneren Theile mit dem menschlichen 
Körper sehr übereinstimmend. Sie hatten einen runden Kopf, große 
Augen, ein volles Gesicht, platte Wangen, eine aufgeworfene Nase, sehr 
weiße Zahne, gräuliche, manchmal bläuliche Haare, und einen langen 
grauen bis auf den Magen herabhangenden Bart. — Hierher gehört auch 
noch der sogenannte neapolitanische Fischnikkel, von welchem man in 
dellers physikalischem Lexikon eine authentische Beschreibung 
—W 
Aber außer Schubert muß ich hier noch einen zweiten 
Freund Kleist's namhaft machen: Fouqué den Dichter der 
Undine. Die Undine erschien im Frühlingsheft der Jahres⸗ 
zeiten 1811. Durch sie führte Fouqus die Poesie des fließen— 
den, rauschenden Wassers in die Romantik ein. Welcher von 
den Freunden, die den Winter 1810 auf 1811 in Berlin mit 
Jouqus und seiner Frau so oft zusammensaßen, wäre nicht 
über das Werden und das bevorstehende Erscheinen der Dich— 
tung unterrichtet gewesen. Einem arbeitenden Menschen liegt, 
was seine Freunde thun und dichten, wie eigne Arbeit an 
dem Herzen; er fühlt sich zur Theilnahme in irgend einer 
dorm gedrungen. Und so glaube ich, daß die Wassermänner 
und Sirenen, die schon längst bei Kleist sich eingefunden 
hatten, deswegen in den Abendblättern gerade jetzt sich 
en. weil Undine sie, sich zur Gesellschaft, hervorgelockt 
atte. 
23. Geistererscheinung. 
Im 63. bis 66. Abendblatte, vom 165. bis 19. März 
1811. Anonym. Bisher nicht bekannt. Die allerletzte Erzählung, 
die Kleist für die Abendblätter geliefert hat. Sie lautet:
	        
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