Path:
Achtes Capitel. Heinrich von Kleist als Autor in den Abendblättern

Full text: Heinrich von Kleist's Berliner Kämpfe / Steig, Reinhold (Public Domain)

598 3· Achtes Capitel. 
großen Bottig mit Wasser an, 
in dem er sich mit großen Freu⸗ 
denbezeugungen badete. Die Klei⸗ 
der waren ihm öfters zur Last 
und er warf sie weg, bis er sich 
nach und nach daran gewöhnte. 
An gekochte, grüne, Mehl⸗ und 
Fleischspeisen hat man ihn nie 
recht gewöhnen können, denn sein 
Magen vertrug sie nicht; er lernte 
auch reden und sprach schon viele 
Worte aus, arbeitete fleißig, war 
gehorsam und zahm. Allein nach 
einer Zeit von drei Vierteljahren, 
wo man ihn nicht mehr so streng 
beobachtete, gieng er aus dem 
Schlosse über die Brücke, sah den 
mit Wasser angefüllten Schloß—⸗ 
graben, sprang mit seinen Klei— 
dern hinein und verschwand. 
Man traf sogleich alle Anstal⸗ 
ten, um ihn wieder zu fangen, 
allein alles Nachsuchen war ver⸗ 
gebens, und ob man ihn schon 
nach der Zeit, besonders bei dem 
Bau des Kanals durch den Königs⸗ 
see, im Jahr 1803, wiedergese⸗ 
hen hat, so hat man seiner doch 
nie wieder habhaft werden können. 
Dieser Vorfall wirft Licht über manche, bisher für fabelhaft ge⸗ 
haltene, See⸗Erscheinungen, die man Sirenen nannte. So sah der 
Entdecker Grönlands Hudson, auf seiner zweiten Reise, am 165. Juni 
1608 eine solche Sirene und die ganze Schiffsmannschaft sah sie mit 
ihm. Sie schwamm zur Seite des Schiffs und sah die Schiffsleute starr 
an. Vom Kopfe bis zum Unterleib glich sie vollkommen einem Weibe 
von gewöhnlicher Statur. Ihre Haut war weiß; sie hatte lange, schwarze 
um die Schultern flatternde Haare. Wenn die Sirene sich umkehrte, o 
sahen die Schiffsleute ihren Fischschwanz, der mit dem eines Meerschweins 
viel Aehnlichkeit hatte, und wie ein Makrelenschwanz gefleckt war. — 
Nach einem wüthigen Sturm im Jahre 1740, der die holländischen 
Dämme von Westfriesland durchbrochen hatte, fand man auf den Wiesen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.