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Sechstes Capitel. Anekdote, Epigramm, Berichterstattung

Full text: Heinrich von Kleist's Berliner Kämpfe / Steig, Reinhold (Public Domain)

General Dieringshofen und Feldprediger Protzen. * 361 
gegen ihn irgend eine Rücksicht habe beobachten wollen. Es 
kam also darauf an, sich über die Personen der Anekdote 
Gewißheit zu verschaffen: und zu diesen und anderen für mich 
wichtigen Feststellungen verhalf mir Herr Major Walter 
Dahlmann, der Enkel des mit Kleist einst befreundet gewesenen 
Historikers Friedrich Dahlmann. 
Nach den Acten des Kriegsministeriums starb der Gene— 
ralmajor Bernhard Alexander von Dieringshofen als Chef des 
24 Infanterie-Regiments zu Frankfurt am 9. Januar 1776 
im Alter von sechzig Jahren. Die Anekdote der Abend— 
blätter ist also passirt, ehe Kleist geboren war. Der Feld⸗ 
prediger des Regiments hieß Carl Samuel Protzen, war bei 
des Generals Tode einunddreißig Jahre alt, schied 1782 aus, 
um in Züllichau ein Pfarramt zu übernehmen, und wurde 
1788 als Oberpfarrer nach Frankfurt zurückberufen, wo er 
1817 im Amte starb. P.... in der Anekdote bedeutet also 
Protzen. Dieser Feldprediger Protzen aber war es, von dem 
Heinrich von Kleist getauft worden ist! 
Ferner aber: 1810 existirte in der Mauerstraße 39, auf 
halbem Wege zwischen Arnim's und Kleist's Wohnung eine 
Waarenhandlung, deren Besitzer gleichfalls Protzen hieß: eine 
dandlung, die später in die Leipzigerstraße übersiedelte, einen 
Stadtruf sich erwarb, und älteren Berlinern noch in der Er— 
innerung ist. Ob eine Verwandtschaft zwischen dem Berliner 
und dem Frankfurter Träger des Namens Protzen bestand? 
Merkwürdig bleibt das Zusammentreffen jedenfalls. 
Alle diese Umstände scheinen für Kleist, wenigstens nicht 
gegen ihn, als Verfaffer zu sprechen, und der echt Kleistische 
Anfangssatz 
— Der in Frankfurt an der Oder, wo er ein Infanterie-Regiment 
esaß, verstorbene General Dieringshofen, ein Mann von strengem und 
rechtschaffenem Charakter, aber dabei von manchen Eigenthümlichkeiten
	        
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