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Viertes Capitel. Berliner Kunst

Full text: Heinrich von Kleist's Berliner Kämpfe / Steig, Reinhold (Public Domain)

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Viertes Capitel. 
sande steht einsam ein Kapuziner da und blickt über das un— 
endlich wogende Meer hinaus, von trübem Himmel bedeckt. 
Gine schaurige, nebelgraue Stimmung ist über das Gemälde 
ausgegossen, der Idee und dem Willen des Künstlers ent⸗ 
sprechend, daß der Beschauer begreife, wie fromme Andacht 
sich fortsehne in den ewigen Glanz der Göttlichkeit. Ein 
Werk von dieser religiösen Tiefe ließ sich nicht so leicht 
erschöpfen, noch mit einem schlanken Urtheilsworte abthun, 
um so weniger, als die Ausführung des Einzelnen bei 
Friedrich selten dem Schwunge seiner Phantasie zu folgen 
vermochte und gegründeten Tadel verdiente. Was die Berliner 
Abendblätter über Friedrich zu sagen hatten, steht in der 
12. Nummer vom 13. October 1810, ist „Empfindungen vor 
Friedrich's Seelandschaft“ überschrieben und cᷣ unterzeichnet. 
Dieser Artikel hat eine höchst merkwürdige Entstehungs⸗ 
geschichte, über deren einzelne Stufen die äußeren Zeugnisse 
noch vorhanden sind. Der eigentliche Original-Aufsatz „Ver⸗ 
schiedene Empfindungen vor einer Seelandschaft von Friedrich, 
worauf ein Kapuziner (Bei einer Kunstausstellung 1810) ist 
gedruckt in Clemens Brentano's Gesammelten Schriften 
4, 424 - 429 *). Daraus stellte Kleist seinen gekürzten Abend⸗ 
blatt-Artikel her. Kleist bittet wegen dieser Umformung des 
Ursprünglichen Arnim und Brentano brieflich, unter dem 
14. October 1810, um Entschuldigung. Und Kleist über— 
nimmt in seinem Abendblatt vom 22. October für den Inhalt 
nun allein die Verantwortung. Worauf es ankommt, ist ein 
Erfassen der inneren Vorgänge, die sich abspielten. 
Statt 1810 ist 1826 in Brentano's Schriften ein Irrthum, wie 
daraus erhellt, daß bei der ersichtlich historischen Anordnung des Bandes 
Brentano's Beiträge zur Badischen Wochenschrift 1806 und 1807 voraus— 
gehen und das Andenken an Runge, aus den Abendblättern 19. December 
1810, folgt.
	        
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